In der Trauerhalle wurde gelacht und geschunkelt

Benefizveranstaltung des Intermezzo-Theaters für die Hilfsgruppe Eifel – Abend kam einer heiteren Geschichtsstunde gleich

Das Intermezzo-Theater aus Kall sorgte im Bestattungshaus Ernst für Furore. Bild: Ernst
Das Intermezzo-Theater aus Kall sorgte im Bestattungshaus Ernst für Furore. Bild: Privat

Kommern – Über 100 Besucher konnte Marcel Ernst am Samstag in der Trauerhalle des Bestattungshauses Ernst in Kommern begrüßen. Im Unterschied zu den üblichen traurigen Anlässen an diesem Ort durfte an diesem Abend herzlich gelacht, geschunkelt und mitgesungen werden.

Das Bestattungshaus Ernst in Kommern hatte erneut seine Räume für eine kulturelle Darbietung geöffnet. „Damit leisten wir auch eine regionale Hilfe, denn sämtliche Eintrittsgelder und der Erlös der verkauften Getränke geht an die Hilfsgruppe Eifel“, informierte Marcel Ernst.

„Stellen Sie sich vor, Sie säßen in einem wilhelminischen Zug der Kaiserzeit. Ich hoffe, Sie sitzen bequem. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie nun eine Reise von Köln nach Berlin. Lassen Sie sich vom Humor und der Musik aus der guten, alten Zeit verzaubern“, so führte Johnnie Wegmann, standesgemäß mit Frack und Zylinder ausstaffiert, in den Abend ein. Mit Stefan Kupp am Klavier bildet Wegmann das erfolgreiche Kaller Intermezzo-Theater, welches zum ersten Mal in Kommern gastierte.

Bestatter Marcel Ernst (rechts) hatte das Intermezzo-Theater verpflichtet. Er war begeistert über den Vortrag und den erzielten Erlös für die Hilfsgruppe. Bild: Privat
Bestatter Marcel Ernst (rechts) hatte das Intermezzo-Theater verpflichtet. Er war begeistert über den Vortrag und den erzielten Erlös für die Hilfsgruppe. Bild: Privat

Mit witzigen, satirischen und zweideutigen Liedern, über die schon die Eltern und Großeltern der Zuhörer Freudentränen lachten, wurden die beiden großen Künstler, Willi Ostermann (Köln) und Otto Reutter (Berlin), in Kommern für zwei Stunden wieder lebendig. Mit verschmitztem Lächeln und unnachahmlicher Mimik und voller Gestik bot Johnnie Wegmann die unverwechselbare Mischung aus Zeitkritik und Alltagsbetrachtungen sowohl in kölscher Mundart als auch in Berliner Schnauze dar.

Manch ein Besucher wunderte sich sichtlich über die teils mehr als 100 Jahre alten deftig, und teils frivolen Texte, die bis auf den heutigen Tag anscheinend zeitlos geblieben sind. So wurden sensible Themen aus der Nachbarschaft, der Verwandtschaft oder gar der höheren Gesellschaft aufs Korn genommen. Auch der Tod wurde thematisiert. Mit einem Couplet von Otto Reutter gab Johnnie Wegmann dem Publikum fünfzehn persönliche Tipps, was alles zu regeln und erledigen ist „bevor du sterbst“.

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Der Abend kam einer heiteren Geschichtsstunde gleich, in der Zeitgenössisches sowie Biografisches von Ostermann und Reutter das Publikum erfreute. Was geschah, wenn ein Verwandter Kaiser Wilhelms mit einer einfachen Kölner Marktfrau ein „Fisternöllchen“ anfing und aus diesem sogar ein kleiner Nichtadeliger entsprang?
Der Adelige hatte keine andere Wahl, zeigte sich großzügig und baute seiner Geliebten, weit weg vom Schuss, ein Haus. So entstand das Lied: „Jetz hät dat Schmitze Billa en Poppelsdorf en Villa“.

Gemeint ist der heutige Bonner Stadtteil Poppelsdorf. Weshalb Ostermann gerade Poppelsdorf als neue Heimat ersann, offenbarte sich nun dem aufmerksamen Zuhörer. Gerade, weil Otto Reutter’s Lieder dem Rheinländer etwas unbekannter gewesen sein durften, hatten die Zuhörer bei seinen doppeldeutigen, ironischen und scharfzüngigen Texten Tränen vor Lachen in den Augen. Erst nach drei Zugaben und stehendem Beifall wurden die beiden Künstler verabschiedet.

Zum Ende der Veranstaltung fragte Marcel Ernst das Publikum, ob man sich selbst nicht auch, während der Vorführung heimlich gewünschte hätte, mit den befreundeten Herren Ostermann und Reutter zur damaligen Zeit in einem Kölner Brauhaus das ein oder andere Kölsch zu trinken, welches einstimmig bejaht wurde.

 

Ein Gedanke zu „In der Trauerhalle wurde gelacht und geschunkelt“

  1. Grüße vom INTERMEZZOtheater,
    wir versprachen Willi Greuel (Hilfsgruppe Eifel) ein Benefiz für die Hilfsgruppe zu machen. Die Lokalität muss er benennen.
    Bestattungen und Kunst das liegt bei der Familie ERNST so fröhlich beieinander – da gab es nur ein JA, das machen wir.
    Es ist uns scheinbar gelungen. Danke an Willi und Dank der Familie ERNST in Kommern.
    Johnnie Wegmann

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