Arm und überschuldet trotz 35-Stunden-Woche

Schuldnerberatungen der Caritasverbände Eifel und Euskirchen beteiligen sich an Aktionswoche – Expertentelefon zum Thema am Donnerstag, 18. Juni

Die Fachleute der Caritasverbände Eifel und Euskirchen Dorothea Gehlen (v.l.), Norbert Telöken, Elke Kapma, Christoph Siebertz und Andrea Zens wollen von Überschuldung bedrohten Kreisbürgern helfen. Foto: Arndt Krömer
Die Fachleute der Caritasverbände Eifel und Euskirchen Dorothea Gehlen (v.l.), Norbert Telöken, Elke Kapma, Christoph Siebertz und Andrea Zens wollen von Überschuldung bedrohten Kreisbürgern helfen. Foto: Arndt Krömer

Kreis Euskirchen – Die Schuldnerberatungen der Caritasverbände Eifel und Euskirchen beteiligen sich an der bundesweiten „Aktionswoche der Schuldnerberatung“, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV). Dabei sollen von Montag, 15. Juni, bis Freitag, 19. Juni, Probleme in den Fokus gerückt werden, die aus sogenannten „prekären“ und „atypischen“ Arbeitsverhältnissen entstehen können. Zu diesen Arbeitsverhältnissen zählen die Experten auch manche Minijobs, befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit, Leiharbeit, Werkverträge und Ähnliches.

Merkmale solcher Beschäftigungen seien oftmals geringe Entlohnung mit der damit verbundenen schwierigen Existenzsicherung, wenig berufliche Perspektiven, mangelnder Einfluss auf die Arbeitssituation und fehlende Integration in den Betrieb. Häufig würden grundlegende Arbeitnehmerrechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Pausenzeiten und bezahlter Urlaub vorenthalten, wie es in der Pressemitteilung der Caritas Eifel heißt.

Laut der beiden Caritasverbände im Kreis Euskirchen nehme auch in ihrem Wirkungskreis die Zahl der Menschen zu, die trotz Arbeit arm und überschuldet sind. Sie fordern unter anderem einen Rechtsanspruch auf Beratung, faire Löhne und bedarfsgerechte Sozialleistungen.

„Prekäre Beschäftigungen zählen mittlerweile zu den Hauptursachen für Überschuldung“, so Dorothea Gehlen, Schuldnerberaterin der Caritas Eifel. Denn bereits kleine Krisen oder unvorhersehbare Ereignisse – beispielsweise die Reparatur am Auto, das zum Erreichen des Arbeitsplatzes zwingend notwendig ist – könnten das wackelige finanzielle Gebäude der Haushalte zum Einsturz bringen.

Zudem beschleunige die Überschuldung wiederum den Jobverlust oder verhindere von vornherein den Eintritt in Arbeit, sagt Schuldnerberater Norbert Telöken: „Arbeitgeber, die von der Lohnpfändung eines Mitarbeiters wissen, insbesondere von mehrfachen Pfändungen, kennen den damit für sie verbundenen hohen Verwaltungsaufwand und Ärger. In manchen Fällen könnten sie sogar zu einem Drittschuldner werden. Das alles macht die dauerhafte Beschäftigung des Mitarbeiters oder eines Bewerbers leider unattraktiv.“

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Andrea Zens von der Schuldnerberatung Mechernich stellt fest, dass manche Leiharbeitsverhältnisse schon nach weniger als drei Monaten wieder beendet werden. „Da man aber mindestens ein Jahr lang in einem Arbeitsverhältnis gestanden haben muss, um Ansprüche auf das höhere Arbeitslosengeld I geltend machen zu können, rutschen diese Leute immer wieder vom prekären Arbeitsverhältnis in das niedrigere Hartz IV.“

Dorothea Gehlen berichtet aus ihrer Praxis: „Vor 14 Tagen kam ein Mann in meine Sprechstunde, der bei einer Leiharbeitsfirma arbeitet und immer erst freitags erfährt, bei welcher von zwei Eifeler Firmen er ab Montag für welchen Schichtdienst eingestellt ist – und das auch nur für diese eine Woche.“ Glücklicherweise lägen die beiden Betriebe für ihn im Umreis von 15 Kilometer von seinem Wohnort, daher kann er sie mit seinem Roller gut erreichen. Denn ein Auto sei für ihn nicht finanzierbar, so Gehlen: „Mit einem Nettoeinkommen von 1.100 Euro im Monat bei einer 35-Stundenwoche ist der Unterhalt eines PKW nicht machbar

Durch die Ausübung von zwei oder noch mehr Jobs versuchten manche, einen Weg aus ihrer finanziellen Misere zu finden, sagt Beatrix Salz von der Euskirchener Caritas: „Trotz harter, doppelter und dreifacher Arbeit verfügen sie dennoch kaum über ein Einkommen, das ihren Lebensunterhalt sichert.“ Zudem führten Mehrfachjobs auf Dauer zu Überlastung, die dann wieder einen Arbeitsplatzverlust nach sich ziehen könne. Und wer lange Jahre immer nur durch Minijobs oder Ähnliches seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, könne schnell durch geringe Rentenansprüche in die Altersarmut rutschen.

Deshalb fordern die Berater der beiden Caritasverbände neben einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung individuell gestaltete Sozialleistungen. Insbesondere der Anteil für Energiekosten sei im Regelbedarf viel zu gering angesetzt. Außerdem gelte es einmalige Beihilfen wieder einzuführen, um größere Reparaturen oder grundlegende Anschaffungen wie von Waschmaschine oder Kühlschrank zu ermöglichen.

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Am Donnerstag, 18. Juni, wollen die Caritas-Schuldnerberater deshalb in der Zeit von 10 bis 12.30 Uhr für telefonische Beratung bereit stehen:

Dorothea Gehlen, Ansprechpartnerin für die Stadt Schleiden sowie die Gemeinden Hellenthal, Blankenheim und Nettersheim, Telefon 0 24 45-85 07-276

Andrea Zens, Ansprechpartnerin für die Stadt Mechernich sowie die Gemeinden Dahlem und Kall, 0 24 43-90 29-811

Zudem soll am Montag, 22. Juni, um 9.30 Uhr im Caritas-Haus Schleiden, Gemünder Str. 40, von der Eifeler Caritas eine Informationsveranstaltungen zum Verbraucherinsolvenzverfahren angeboten. Referentin ist Dorothea Gehlen.

Unter www.caritas.de/onlineberatung/schulden sind die Kontaktadressen der örtlichen Schuldnerberatungen der Caritas abrufbar, außerdem gibt es eine Online- und Mailberatung sowie grundlegende Tipps zum Thema. (epa)

Ein Gedanke zu „Arm und überschuldet trotz 35-Stunden-Woche“

  1. das ist alles dank agenda gesetze .

    Haben Sie eine Chance gegen einen Mauer durch zu Laufen?.
    Nein wenn Sie alleine laufen haben Sie kein Chance gegen Mauer.

    Und so ist auch Hartz 4 oder Leiharbeit. Bin vielleicht verrückteste Person der gegen Mauer gegen Hartz 4 Leiharbeit durchlaufen wollte.

    War bis vor 6 Jahren selber eine Arbeiter der mit seinem Lohn super seiner Familie ernähren konnte.
    Trotz Gießerei und Hitze war ich Glücklich. Das ich als Ehemann der Vater vom 3 Söhne seine Familie etwas geben konnte.

    Beim 3 Schicht hatte ich 2600€ Netto mit 1 Sonntag und 2 Samstage Überstunden.
    Ich war Glücklich das Held seine Kinder der Vater der immer Geld hatte und etwas Leisten konnte.

    Jetzt fühle ich mich wie ein elender Penner nutzlos seid 6 Jahren eierschaukler.
    Mit 44 Jahren ein Wrack ein Wrack des System Agenda Gesetze.

    Ich schrieb über 1000 Bewerbungen und Briefe an Bundespräsident,Bundestagspräsident,Bundestag,Petition eingereicht 3 mal.
    Arbeitsminister,Familienminister,EUROPA UNION.Bundesgerichthof,LINKE,GRÜNE,CDU/CSU ,SPD abgeordneten und natürlich an unseren Super IGM/DGM.

    Zulätzt meine Leben als Protest im ebay Auktion veröffentlicht.https://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/eine-ebay-anzeige-als-zeichen-gegen-hartz-iv-90016568.php.

    Leider ohne erfolg. Hätte nie in meinem Leben geglaubt das ich nicht durch komme.
    Und das in Deutschland mitten Europa.

    Wo die Politiker normaler weiser 1000 mal besser sein mussten als Türkei oder andere Länder Politiker.

    Glauben Sie mir Sie haben keine Chance vom diesen System auf Beine Hoch zu kommen.
    Sie können Hungerstreik machen oder sich zu Affen machen sie kommen nicht raus vom diesen System. Da es so gewollt ist.

    Schauen Sie zu Arbeitsmarkt nur Leiharbeit. In meinem kleinen Stadt weiß ich selber welche Firma unter welche Leiharbeit Leute einstellen.

    Und das ist Legal so gewollt. Wo ich zuletzt als Gießer Arbeitete verdiente ich 15,70€ Brutto und das vor 6 Jahren.

    Hab gebettelt das die mich wieder einstellen da ich ja beim Autowrack Prämie Krise gekündigt worden bin.
    Nicht das ich faul war nein wegen Krise.
    Hab echt gebettelt nein hab kein Chance. Aber unter Leiharbeit kann ich anfangen und für 8,50€ Brutto 🙂 .
    Bei anderen Firmen habe ich mich geboten 1 Monat umsonst zu Arbeiten damit die sehen das ich gute Arbeiter bin .

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