Rennsportlegenden beim 43. Oldtimer-Grand-Prix

Von Reiner Züll – Über 50.000 Zuschauer verfolgten die Rennen auf dem Nürburgring – Über 100 Jahre alte automobile Schätzchen im historischen Fahrerlager

Im historischen Fahrerlager waren viele automobile Schätzchen zu bewundern.  Foto: Reiner Züll
Im historischen Fahrerlager waren viele automobile Schätzchen zu bewundern. Foto: Reiner Züll

Eifel/Nürburgring – Drei Tage lang bestimmte die europäische Oldtimer-Szene das Geschehen auf der Eifelrennstrecke am Nürburgring, wo der Automobilclub von Deutschland (AvD) den 43. Oldtimer-Grand-Prix veranstaltete. Dabei hatte sich vor allem das historische Fahrerlager in ein einzigartiges Rennsportmuseum verwandelt. Über 100 Jahre alte automobile Schätzchen waren dort bewundern. 52.000 begeisterte Zuschauer erlebten am Nürburgring 20 Rennen, die an den Motorsport vergangener Zeiten erinnerten.

Doch nicht nur historische Fahrzeuge waren ein Publikumsmagnet, auch Rennsportlegenden, die die Rennwagen einst steuerten, waren am Ring zugegen und zeigten sich volksnah. Mit von der Partie waren unter anderem der ehemalige Rallyeweltmeister Stig Blomqvist, die Ex-Formel-1-Piloten Richard Attwood, Christian Danner und Jacky Icks und der mehrfache Deutsche Rennsportmeister Klaus Ludwig. Sie waren stets von Fans umlagert und schrieben zahllose Autogramme.

Im Jaguar E-Type fährt der Iversheimer Frank Stippler beim Historic-Marathon dem sechsten Gesamtsieg in Folge entgegen. Foto: Reiner Züll
Im Jaguar E-Type fährt der Iversheimer Frank Stippler beim Historic-Marathon dem sechsten Gesamtsieg in Folge entgegen. Foto: Reiner Züll

Der Iversheimer Profirennfahrer Frank Stippler ging bei mehreren Rennen an den Start. Mit dem Bad Driburger Grafen Marcus von Oeynhausen setzte Stippler direkt zum Auftakt des dreitägigen Festivals eine Tradition fort. Im 52 Jahre alten Jaguar E-Type des Grafen gewannen von Oeynhausen und Stippler zum sechsten Mal in Folge den vierstündigen AvD-Historic-Marathons auf der Nürburgring-Nordschleife.

Bei dem Wochenende gingen mehrere Läufe zu den historischen FIA-Meisterschaften für Formel-1-Fahrtzeuge und Sportwagen über die Bühne. Die Deutsche Rennsportmeisterschaft von einst lebte wieder auf während die Vorkriegs-Rennwagen zwei Gleichmäßigkeitsprüfungen zu bewältigen hatten. Ältestes Fahrzeug war ein Renault aus dem Jahr 1907. Im Jahr 1916 in den USA gebaut wurde das Locomobile M 48 Speed Car, das Lothar Lehr steuerte.

Viel bestaunt wurde der Original-Mercedes-Benz 680 S Rennsport, auf dem der legendäre Rennfahrer Rudolf Carraciola 1927 das Eröffnungsrennen am Nürburgring gewann.

Zum 80. Geburtstag hatte die Nebelmarke Jaguar Fahrzeuge aus acht Jahrzehnten ausgestellt. Foto: Reiner Züll
Zum 80. Geburtstag hatte die Nebelmarke Jaguar Fahrzeuge aus acht Jahrzehnten ausgestellt. Foto: Reiner Züll

Die britische Nobelmarke Jaguar feierte beim Oldtimer Grand Prix ihren 80. Geburtstag. Auf einem großen Areal nahe der Coco Cola-Kurve präsentierten die Briten millionenteure Modelle der Jaguar-Geschichte aus acht Jahrzehnten. Weltpremiere feierte am „Ring“ der erste originalgetreue Nachbau eines Jaguar E-Type Lightweight von 1963, von dem es nur sechs Exemplare auf der ganzen Welt für den historischen Rennsport geben wird und die um die zwei Millionen Euro pro Fahrzeug kosten sollen.

Starkoch Johann Lafer, hier mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Christian Danner, kochte bei Jaguar und kritisierte die Qualität des deutschen Bäckerhandwerks, das mit zu vielen Fertigprodukten arbeite. Foto: Reiner Züll
Starkoch Johann Lafer, hier mit dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Christian Danner, kochte bei Jaguar und kritisierte die Qualität des deutschen Bäckerhandwerks, das mit zu vielen Fertigprodukten arbeite. Foto: Reiner Züll

Für das leibliche Wohl der Besitzer und Fans der Raubkatzenmarke sorgte Sternekoch Johann Lafer mit seinem Köcheteam. Traditionell gab es wieder spezielle Hamburger mit Zwiebelmarmelade und Avocados sowie Pommes mit Chilisoße sowie als Dessert Schnittchen mit Beeren. Lafer, der schon mehrfach beim Oldtimer Grand Prix für die Jaguar-Gäste gekocht hat: „Ich finde es toll, aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal hier am Nürburgring Hamburger mache. Aber ich mach das sehr gerne, wenn die Leute sich das hier wünschen.“

Lafer, der ab September in einer Sendereihe des ZDF Deutschlands besten Bäcker sucht, übte Kritik an diesem Handwerk. Er habe in den vergangenen Wochen 300 Bäckereien in Deutschland besucht und feststellen müssen, dass Qualität nicht mehr im Vordergrund stehe. Es würden zu viele Fertigprodukte in den Betrieben verwendet. Lafers Urteil: „Es gibt nicht mehr viele gute Brötchen“.

Anlässlich des Jaguar-Geburtstages gastierte die Rennserie „Jaguar Heritage Challenge“ erstmals in Deutschland. Bei diesem Rennen am Samstag gingen Rennwagen der britischen Edelschmiede bis zum Baujahr 1965 an den Start. Sieger dieser Deutschland-Premiere wurde Frank Stipplers Fahrerkollege Marcus Graf von Oeynhausen.

Mindestens 50 Jahre alt sind die wertvollen Fahrzeuge, die am Sonntag beim Genlemen-Rennen an den Start gingen. Vorn mit der Startnummer 56 der Iversheimer Frank Stippler.  Foto: Reiner Züll
Mindestens 50 Jahre alt sind die wertvollen Fahrzeuge, die am Sonntag beim Genlemen-Rennen an den Start gingen. Vorn mit der Startnummer 56 der Iversheimer Frank Stippler. Foto: Reiner Züll

Stippler und von Oeynhausen gingen auch beim Rennen der „Gentlemen Drivers GT“ am Sonntag an den Start. Während Stippler im 50 Jahre alten ISO Bizzarrini von Startplatz eins in Rennen ging, fuhr Marcus Graf von Oeynhausen in seinem Jaguar E-Type von Staatplatz fünf los. Doch schon Mitte der ersten Runde kollidierte der Jaguar des Grafen mit dem Jaguar des Spaniers Joaquin Folch-Rusinol. Beide Fahrzeuge wurden dabei zerstört. Während Graf von Oeynhausen unverletzt aus seinem Rennwagen steigen konnte, erlitt der Fahrer des anderen Fahrtzeugen erhebliche Verletzungen. Das Rennen wurde unterbrochen und der Spanier nach der Erstbehandlung durch die Rennärzte ins Krankenhaus gebracht.

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