„Mit Kuss Tante Fischen“: Kreis Euskirchen in alten Postkarten

Neuer Band der „Freunde des Historischen Kreisarchivs“ lädt ein zu einer Wanderung durch das Kreisgebiet vor rund 100 Jahren

Das Kreisgebäude in Euskirchen auf einer Postkarte, die 1906 versandt wurde. Bild: Kreisarchiv Euskirchen
Das Kreisgebäude in Euskirchen auf einer Postkarte, die 1906 versandt wurde. Bild: Kreisarchiv Euskirchen

Kreis Euskirchen – Der Kreis Euskirchen feiert in diesen Tagen seinen 200. Geburtstag. Auch in diesem Alter bekommen Geburtstagskinder gerne Geschenke und schwelgen in Erinnerungen. Die „Freunde des Historischen Kreisarchivs“ haben aus diesem Anlass einen Bildband mit rund 500 historischen Postkartenmotiven und Abbildungen von Archivalien aus dem Kreisgebiet herausgebracht.

Damit soll eine Lücke zu den bisherigen Postkartenbüchern der einzelnen Kreiskommunen geschlossen werden. Der Band lädt ein zu einer Wanderung durch das Kreisgebiet vor rund 100 Jahren, ergänzt durch Informationen und Hintergrundwissen zu den Illustrationen. Mit den Augen eines Reisenden um 1900 erblickt man Ansichten von knapp 100 Orten und Wohnstätten der Altkreise Euskirchen und Schleiden. Die Industrialisierung und der Ausbau der Landwirtschaft in der Region waren damals ebenfalls Thema der Postkarten.

Schleiden, die kleinste Kreisstadt Deutschlands, auf einer Karte von 1905. Bild: Kreisarchiv Euskirchen
Schleiden, die kleinste Kreisstadt Deutschlands, auf einer Karte von 1905. Bild: Kreisarchiv Euskirchen

Man verschickte vor 100 Jahren aber auch ganz andere Motive als nur das klassische „Gruß aus“. Mondscheinkarten gaukelten Nachtaufnahmen vor, Fotoaufnahmen von Kaiserbesuchen und Prominenten vermittelten Nähe zur High Society. Gastwirte ließen Postkarten von ihren Häusern zur Werbung fertigen. Fotografen hielten die Leistungen der Ingenieure beim Bau der Urfttalsperre oder des zeitweilig höchsten Schornsteins Europas, dem langen Emil in Mechernich, im Bild fest. Die Feldpost in Kriegszeiten verband die Soldaten mit der Heimat. Die französischen Besatzungsmächte produzierten eigene Serien für ihre Soldaten. Auch diese Motive finden in dem Bildband ihren Platz und berichten von besonderen Episoden aus der Geschichte des Kreises.

Zum Leitmotiv bzw. Titel des Buches wurde dabei der Text einer Karte aus dem Jahre 1906, dem Jahr der Fertigstellung der Urfttalsperre: Diese wird von Tante Fischen besucht, die an Carl in Frankfurt auf einer Ansicht eben jener Urfttalsperre schreibt: „Lieber Carl! Sende dir herzl. Grüße. Die Talsperre müsstest Du sehen, es ist großartig! Hoffentlich geht es Euch gut. Mit Kuss Tante Fischen“

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Knapp 100 Orte und Wohnplätze aus dem früheren und heutigen Kreisgebiet sind auf 465 Postkarten und 40 Fotos von Archivalien präsentiert.

Natürlich erhebt die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht von jedem Dorf im heutigen Kreisgebiet war bereits eine Karte verfügbar. Das macht aber auch den Reiz des Sammelns und Forschens aus, das immer noch etwas noch nicht entdeckt oder erfasst ist. Das Kreisarchiv wird weiter in seinen Möglichkeiten sammeln. Die heutigen Generationen sind an Bilder gewöhnt, Historie wird durch die Motive der Postkarten nachvollziehbar. Im Rahmen der Forschungen und der Öffentlichkeitsarbeit werden sich immer wieder neue Wünsche nach „Motiven“ eröffnen. (eB)

Pütz, Heike: „Das müsstest Du sehen, es ist großartig“. Der Kreis Euskirchen in alten Ansichten. Herausgegebenen von den „Freunden des Historischen Kreisarchivs e. V.“, Rheinbach 2016. Regionalia Verlag. ISBN 978-3-95540-164-1. € 19,95

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