„Alle Liebenden sprechen eine Sprache“

Stehende Ovationen für das „Avram“-Ensemble in der Stiftskirche Bad Münstereifel – Kultur- und Sportstiftung der Kreissparkasse Euskirchen gehörte mit zu den Förderern des interkulturellen Abends

Für seine Darbietungen erhielt das Avram-Ensemble großen Applaus und wurde erst nach einer Zugabe von der Bühne entlassen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Für seine Darbietungen erhielt das Avram-Ensemble großen Applaus und wurde erst nach einer Zugabe von der Bühne entlassen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Bad Münstereifel – Ganz im Zeichen des interreligiösen Dialogs stand am Samstagabend ein Konzert des „Avram“-Ensembles in der Stiftskirche in Bad Münstereifel. Die Veranstaltung, die gemeinsam vom Verein „1 theater für Bad Münstereifel“ und der katholischen Kirchengemeinde Sankt Chrysanthus und Daria auf die Beine gestellt worden war, hatte im Vorfeld zahlreiche Förderer gefunden.

Besonders aber bedankten sich Christiane Remmert und Jojo Ludwig vom „theater 1“ bei Rita Witt, der Vorsitzenden der Kultur- und Sportstiftung der Kreissparkasse Euskirchen, die das Konzert maßgeblich gefördert hatte. Denn Völkerverständigung und das Verständnis der Menschen untereinander zu fördern, gehört mit zu den ausgewiesenen Zwecken der beiden KSK-Stiftungen.

Ein eingespieltes interkulturelles Team: Das „Avram“-Ensemble. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Ein eingespieltes interkulturelles Team: Das „Avram“-Ensemble. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Andrang am Samstagabend in der Stiftskirche war riesengroß. Selbst die Musiker des „Avram“-Ensembles schleppten noch Stühle für die Gäste in die Kirche, damit alle einen Platz bekamen. Geboten wurde an diesem Abend Musik, die der interkulturellen Formation des Ensembles gerecht wurde. Mit spielerischer Leichtigkeit wurden nicht nur Musikgenres wie Klassik, Jazz und Weltmusik miteinander verflochten, sondern auch alte und neue Texte der Mystik, Theologie und Philosophie aus Orient und Okzident. Ob Hildegard von Bingens „Caritas Abundat“ (Die Liebe umfasst das All), das aramäische Vaterunser, ob Musik der sephardischen Juden, arabisch-andalusische Klänge oder eine Komposition Martin Luthers: Das Ensemble zeigte, das Interkulturalität zumindest auf künstlerischer Ebene möglich ist, und dass es mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen gibt als Trennendes.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Sängerin und künstlerische Leiterin des Ensembles: Schirin Partowi. In den Kompositionen und Arrangements Partowis, die mit einer deutschen Mutter und einem persischen Vater in einem liberalen interkulturellen Umfeld aufwuchs, agieren christliche, jüdische und islamische Traditionen wie drei Virtuose in einem Trio, die sich gegenseitig fordern und fördern, sich immerzu unterstützen und dennoch darauf achten, dass die Einzigartigkeit eines jeden Spielers nicht untergeht. Schirin Partowi, die darüber hinaus in mehr als zehn Sprachen zu singen vermag, vermochte an diesem Abend mit ihrer überzeugenden und einzigartigen Darbietung vor allem eines: Respekt zu vermitteln, Respekt vor den kulturellen Leistung in Orient und Okzident, aus dem sich weit mehr als nur ein tolerantes Miteinander und gegenseitige Wertschätzung ergeben sollten, sondern die klare Erkenntnis, dass die Zukunft der Menschheit sich nur im Dialog gestalten lässt.

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Schirin Partowi, Sängerin und künstlerische Leiterin des Ensembles, überzeugte mit ihrem leidenschaftlichen Gesang. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Schirin Partowi, Sängerin und künstlerische Leiterin des Ensembles, überzeugte mit ihrem leidenschaftlichen Gesang. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, zitierte Partowi den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, und beim anschließenden hebräischen Sabbatlied wollte es der Zufall, dass das Lied rhythmisch und symbolträchtig von der Glocke der Stiftskirche begleitet wurde, die in diesem Moment zur vollen Stunde schlug.

Neben Schirin Partowi muss man auch die Musiker des Ensembles erwähnen:  Murat Çakmaz wuchs in einer musikalischen, türkischen Familie in Wesel auf. Mit 14 Jahren fand er zur Ney, einer Bambusflöte aus Schilfrohr. Mit diesem Instrument ohne Mundstück verzauberte er am Samstagabend das Publikum auf ganz unbeschreibliche Weise. Nicht von ungefähr gilt die Ney als Instrument, das der Seele des Musikers am nächsten kommt.

Bassist Konstantin Wienstroer arbeitet in verschiedenen Weltmusikprojekten und wurde vom amerikanischen Jazzbassprofessor Wayne Darling an sein Instrument herangeführt. Wienstroer gab dem Ensemble eine gewisse Bodenhaftung und hatte mehrfach Gelegenheit, seine Virtuosität am Bass sowohl zupfend als auch mit dem Bogen unter Beweis zu stellen.

Das Publikum war von den Darbietungen des „Avram“-Ensembles begeistert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Das Publikum war von den Darbietungen des „Avram“-Ensembles begeistert. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Der Kölner Gitarrist Matthias Kurth ist quasi ein Allroundtalent, das im Jazz ebenso zu Hause ist wie in der Weltmusik oder der Musik des Mittelalters. Sein versiertes Gitarrenspiel hatte maßgeblichen Anteil am Zusammenhalt der unterschiedlichen Musikrichtungen.

Peter Ehm gehört wohl mit zu den erfahrensten und vielseitigsten Klarinettisten in Deutschland. Ob Jazz, Soul oder – wie am Samstag zu hören war – Klezmer, für ihn stellen diese Stilrichtungen keine großen Herausforderungen dar. Zurzeit spielt er im Balkanensemble „Tulum Musica“, in musikalischen Projekten beim Landestheater Marburg (z.B. Wozzek in der Fassung von Tom Waits) und vielen anderen Projekten. Ehm sorgte auch für den nötigen Spaß beim Spiel und brachte das Publikum mehrfach mit seinen musikalischen Einfällen zum Lachen.

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In der Stiftskirche waren alle Bänke besetzt, es mussten noch zusätzlich Stühle aufgestellt werden. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
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Nicht zuletzt muss Fethi Ak genannt werden. Der in Gelsenkirchen geborene Musiker spielte bereits als Kind auf türkischen Hochzeiten Darbuka, eine einfellige Bechertrommel. Mittlerweile gehört er zu den virtuosesten Darbukaspielern in Deutschland und ist in der türkischen, kurdischen und Weltmusikszene ein sehr gefragter Musiker für Studioaufnahmen und Konzerte. Beim klassisch-türkischen Instrumentalstück „Cecen Kisi“ (Mädchen aus Tschetschenien) erhielt er für sein versiertes Trommelspiel vom begeisterten Publikum spontanen Zwischenapplaus.

„Alle Liebenden haben eine Sprache, die Sprache der Musik“, zitierte Schirin Partowi gegen Ende der Veranstaltung den islamischen Mystiker Rumi. Und: „Es gibt kein Verharren, wir sind alle auf dem Weg.“ Diese Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen zu betonen, ist ein besonderes Anliegen des „Avram“-Ensembles, das sich nicht von ungefähr nach Abraham, dem Stammvater der drei Weltregionen, benannt hat. Für die Darbietungen erhielten die Musiker vom Publikum stehende Ovationen und wurde nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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