„Mega-cooles“ Feriencamp für flutgeschädigte Kinder

Auf dem Gelände des Zülpicher Pferdeschutzhofes „Klepperstall“ konnten sich Heranwachsende zwischen 10 und 16 Jahren als Musicaldarsteller ausprobieren – Versierte Künstler rund um „Spotlight Experience“ sorgten durch Unterstützung des Rotary Clubs, dem Thomas-Esser Berufskollegs und weiteren Helfern und Sponsoren für eine Woche Zeltlager mit Tanz, Spiel, Gesang und mehr

Eine grüne Wiese, Pferde, Zelte und engagierte Betreuerinnen und Betreuer sowie wohlwollende Unterstützer braucht man für ein Feriencamp wie dem „kleinen Paradies“ auf dem Pferdeschutzhof Klepperstall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Eine grüne Wiese, Pferde, Zelte und engagierte Betreuerinnen und Betreuer sowie wohlwollende Unterstützer braucht man für ein Feriencamp wie dem „kleinen Paradies“ auf dem Pferdeschutzhof Klepperstall. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich-Langendorf – „Mir gefällt das Camp mega-gut, wir singen viel draußen. Alle müssen auch mal aufräumen und so, aber trotzdem ist es mega-cool“, so beschreibt der 13-jährige Alex seine Woche bei einem besonderen Projekt. Durch die großzügige Förderung des Rotary Clubs Nürtingen-Kirchheim/Teck, im Rahmen und auf Vermittlung der Flufthilfe-Initiativen der Rotary Clubs Euskirchen und Euskirchen-Burgfey, konnten jetzt von der Flut im vergangen Jahr betroffenen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren zehn Tage auf dem Gelände des Tierschutzvereins Klepperstall in Zülpich-Langendorf im Zeltlager verbringen und dabei auch gleich Darsteller in einem selbst produzierten Musicalvideo werden. Für den künstlerischen Anteil sorgte „Spotlight Experience“ aus Frechen, deren Köpfe Lucas und Martijn Theisen im Kreisgebiet schon einige sehenswerte Musicalprojekte mit Schülern auf die Bühnenbretter gebracht haben.

Mit am Start ist auch Musical-Darstellerin und Vocal-Coach Anna Grah, die mit den Heranwachsenden Songs für das Musical erarbeitet: „Das ist schon ein Prozess, anfangs trauen sich viele noch nicht so, aber nach ein paar Tagen wird die Stimme richtig laut – man kann förmlich zusehen, wie Vertrauen und Selbstbewusstsein wachsen.“ Martijn Theisen ergänzt: „Es ist wichtig, Chancen zu geben, damit die Kinder sich ausprobieren können – ohne dass jemand lacht, wenn etwas noch nicht so gut klappt.“ Dazu wird viel gesungen, getanzt, gespielt und gemeinsam statt über jemanden gelacht.

Immer wieder gibt es im Gemeinschaftszelt Zeit für Spiele, Unterhaltungen oder gemeinsames Singen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Immer wieder gibt es im Gemeinschaftszelt Zeit für Spiele, Unterhaltungen oder gemeinsames Singen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

 

Für Begeisterung sorgen auch die Tiere auf dem Hof, etwa der riesige, gutmütige Irische Wolfshund „Alfi“ und die rund 30 Pferde. Nina Aschoff, Vorsitzende des Pferdeschutzhofs, hat die Besucher mit offenen Armen aufgenommen und steht mit Rat und Tat zur Seite, unterstützt von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Jenny Wollersheim. Die zeigt den Teilnehmern gerne, wie man Pferde richtig putzt, sich den großen Vierbeinern gefahrlos nähert und wo sie besonders gerne gestreichelt werden.

Derweil macht sich Kameramann Nikolaj Rohloff für die nächsten Szenen bereit, die er zusammen mit den „Kids“ erarbeitet hat: „Die Kinder machen das wunderbar, sie haben tolle Ideen und machen sich gut vor der Kamera und haben Spaß!“ Das bestätigt auch der 14-jährige Danny: „Das filmen ist mega, auch wenn es anstrengend ist, wenn man etwas immer wieder wiederholen muss und vier Stunden in der Hitze steht!“ Für das Zelterlebnis und die vielen neuen Freunde, die etwa Laura gefunden hat, lohnt sich aber sogar das frühe Aufstehen, wie Joan erzählt: „Wir starten jeden Morgen um 8 Uhr mit einer Morgenmeditation, danach frühstücken wir. Normalerweise stehe ich in den Ferien nicht vor 12 Uhr auf, aber durch das Licht, das morgens durch die Zelte scheint, sind wir alle früh wach.“ Gegessen wird rein vegan, so Laura (11): „Wir schlafen neben den Tieren, dann sollen wir nicht ihre Artgenossen essen – wir lernen hier auch, Rücksicht zu nehmen.“

In der Betreuung unterstützen zudem noch drei angehende Erzieherinnen aus dem Thomas-Eßer-Berufskolleg Euskirchen – rein ehrenamtlich. Für die notwendige Hygiene für die Gruppe mussten Dusch- und Toilettencontainer her. Rita Witt, Projektmentorin Rotary-Club Euskirchen: „Die hat die Firma Beutlhauser aus Meckenheim kostenlos zur Verfügung gestellt – und der Gebietsleiter Thorsten Müller hat dazu auf eigene Kosten auch noch den Monteur Christoph Dörr engagiert, damit die Container auch fachgerecht angeschlossen wurden – so viel Engagement ist einfach großartig!“

Alle Teilnehmer bekommen im Nachgang den Film zu ihrem Zeltlager zur Verfügung gestellt, das fertige Werk soll sogar in einem Frechener Kino gezeigt werden, wie Martijn Theisen verrät: „Wir haben die Geschichte »Das kleine Paradies« erarbeitet: Dabei haben Kinder in einem Feriencamp eine tolle Zeit, aber immer wieder verschwinden Dinge.“ Durch Detektivarbeit finden die Kinder heraus, dass dafür zwei Jugendliche aus dem Dorf verantwortlich sind – denn deren Eltern haben die Teilnahme nicht erlaubt. Doch statt die Kinder bloßzustellen und bestrafen zu lassen, lässt sich das Camp-Team eine sozialere Lösung einfallen: Die beiden aus dem Dorf dürfen ehrenamtlich auf dem Pferdeschutzhof mithelfen, was die Eltern erlauben, und können so „durch die Hintertür“ doch am Feriencamp teilnehmen.

Real und nicht filmreife Story, aber ebenso unterhaltsam ist das Hoffest, das der Klepperstall am Sonntag, 10 Juli, von 11 Uhr bis 17 Uhr veranstaltet. Von Pferdeshows über Hüpfburg, Karussell und Hufeisen bemalen bis Marktgelände ist für Kurzweil gesorgt.

Eifeler Presse Agentur/epa

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