Musik, die mehr bewegt als die Tanzfüße

„Marley’s Ghost“ brachte im Alten Casino Euskirchen die Menge zum Feiern, Träumen und Singen – Klare Botschaften zum friedlichen Miteinander

Ansteckende Spielfreude pur wie hier bei „I Shot The Sheriff“ bieten die Musiker von „Marley’s Ghost“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Ansteckende Spielfreude pur wie hier bei „I Shot The Sheriff“ bieten die Musiker von „Marley’s Ghost“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Zwei Stunden glückselige Reggae-Party, so könnte man das Konzert von „Marley’s Ghost“ am vergangenen Samstagabend beschreiben. Denn kaum hatte die erfolgreichste Bob-Marley-Tribute Band Deutschlands im Alten Casino Euskirchen begonnen, da tanzten die ersten Gäste. Wie ein Buschfeuer breitete sich die Tanzlaune aus, bald wogte die Menge zu den tanzbaren Rhythmen der karibischen Wohlfühlmusik mit den hintergründigen Texten. Denn diese zeitlosen Lyrics scheinen aktueller denn je, prangern sie doch oft Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit aufgrund äußerer Merkmale an. „Und diese Botschaften brauchen wir mehr denn je“, mahnte Matt Sonnicksen, der leidenschaftliche Marley’s-Ghost-Gitarrist aus Chicago, von der Bühne.

Sebastian Sturm ist als internationaler Reggae-Sänger bekannt und sang sich leidenschaftlich in die Herzen des Euskirchener Publikums. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Sebastian Sturm ist als internationaler Reggae-Sänger bekannt und sang sich leidenschaftlich in die Herzen des Euskirchener Publikums. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Und diese Bühne brachten die Profi-Musiker um Frontmann und Sänger Sebastian Sturm mit Wurzeln in Indonesien kräftig zum Schwingen mit all den „Good Vibes“ der zeitlosen Reggae-Musik. Das Publikum feierte altbekannte Songs und Hymnen wie „No Woman No Cry“ oder das hochaktuelle „Get Up, Stand Up“ ebenso wie weniger bekannte Lieder wie „Rat Race“ oder „Who The Cap Fit“. Bei „Three Little Birds“ wurde die Reggae-Party dann zum Mitsing-Konzert, in dem das Euskirchener Publikum enorme Textsicherheit bewies.

Überhaupt war das bunt gemischte Publikum ausgelassen, begeistert und berührt. Dafür sorgten Bassist Christian Golz, der an der Musikschule Euskirchen auch den Nachwuchs fördert, mit leicht „modernisierten“ Basslinien des Bob-Marley-Bassisten Aston Barrett. Seine funkigen Variationen trieben den Beat ebenso an wie das extrem abwechslungsreiche Spiel von Joonas Lorenz an der Orgel und oft gleichzeitig noch an ein bis zwei Keyboards. Ein Feuerwerk kaleidoskopartiger Muster allein auf den HiHat-Becken zauberte der studierte Jazz-Schlagzeuger Jannis Lewe zu den Reggae-Rhythmen.

Mit viel Seele und Herz begeisterten Matt Sonnicksen (v.l.) und Okeno Gayle die Gäste im Alten Casino. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse
Mit viel Seele und Herz begeisterten Matt Sonnicksen (v.l.) und Okeno Gayle die Gäste im Alten Casino. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse

Über allem lag die kratzig-samtige Stimme von Sebastian Sturm, sehr nah am jamaikanisches Superstar Bob Marley, der selbst Rekorde der Rollings Stones brach. Und doch singt sich Sebastian Sturm immer mit einer ganz eigenen Note in die Herzen der Menschen. Dies wurde besonders deutlich, als er ein echtes Juwel der ikonischen Reggae-Hymnen anstimmte: „Redemption Song“: „Won’t you help to sing – these songs of freedom“. Und genau dazu forderte Marley’s Ghost mit ihrer Musik, Matt Sonicksen aber auch mit direkter Ansprache ins Publikum auf: Sich immer wieder auf die Freiheit, Frieden auch im Sinne eines friedlichen Miteinanders im Alltag und dem Anerkennen der Vielfalt zu besinnen. „Hier sind alle willkommen“, betonte er, unabhängig von Hautfarbe, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.

Zwei Stunden ausgelassene Reggae-Party lieferten „Marley’s Ghost“ ins Alte Casino Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Zwei Stunden ausgelassene Reggae-Party lieferten „Marley’s Ghost“ ins Alte Casino Euskirchen. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Im Alten Casino Euskirchen hat Gastmusiker Okeno Gayle die Kernformation bereichert: Der Profi-Sänger aus Kingston, Jamaika, lebt seit einem Jahr in Deutschland und begeisterte in Euskirchen das Publikum nicht nur durch seinen ebenso gefühlvollen, souligen Gesang, sondern auch durch seinen Humor, seine energiegeladenen Tanzeinlagen und seine Perkussion-Beiträge. Überhaupt geht Marley’s Ghost gerne mit befreundeten Musikern auf die Bühne, etwa mit Frank Dellé von „Seed“ oder dem Perkussionisten und Drummer von „Patrice“ Oshane Campbell aus Jamaika. Legendär sind mittlerweile die Jahresabschlusskonzerte im Kölner „Club Bahnhof Ehrenfeld“, bei dem Marley’s Ghost in großer Besetzung mit Background-Sängerinnen und Bläsersatz auftritt. Für den guten Sound sorgt dort – wie auch beim Auftritt im Alten Casino – der Toningenieur Alwin Geisen. Weitere Infos im Internet: www.marleysghost.de

Musiker/Innen für Reggae-Band gesucht

Freundliche Unterstützung bieten Marley’s Ghost auch Musikern aus dem Kreis Euskirchen. So berichtete Matt Sonnicksen dem Publikum, dass ein Freund dort eine Reggae-Band gründen wolle. Bisher proben Schlagzeuger, Bassist und Perkussionist in Bad Münstereifel, demnächst in Mechernich. Gesucht werden noch alle anderen Positionen wie Gitarre, Gesang, Keyboard, Orgel. Dahinter steht der gemeinnützige Verein „TakT“, der etwa bei Anschaffung von Instrumenten helfen kann. Kontakt und weitere Infos: takt.reggaelution.de

Eifeler Presse Agentur/epa

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