Rock am Ring: „Wir gehen mit Wehmut, aber nicht mit Zorn“

Von Patrick Züll Abschied war Thema Nr.1 bei den Fans – Headliner Iron Maiden, Kings of Leon, Linkin Park und Metallica sorgten für gute Stimmung – Neuer Rekord bei den Live-Streams – Polizei zufrieden mit den Besuchern

Trotz der Trauer um den Abschied ließen es sich die "Rock am Ring"-Besucher nicht nehmen, ihre Bands - wie hier Rea Garvey - zu feiern. Bild: Patrick Züll
Trotz der Trauer um den Abschied ließen es sich die „Rock am Ring“-Besucher nicht nehmen, ihre Bands – wie hier Rea Garvey – zu feiern. Bild: Patrick Züll

Eifel/Nürburgring – „Dies ist kein leichter Moment“, sagte Festivalveranstalter Marek Lieberberg zu Beginn der am Samstag angesetzten Pressekonferenz bei „Rock am Ring“. Der Grund seines Bedauerns kursiert schon seit letzter Woche in den Medien: Sein Festival sollte an diesem Wochenende zum 29. und gleichzeitig letzten Mal am legendären Nürburgring stattfinden. Es war überall das Hauptgesprächsthema, fast schien es so, als wäre das musikalische Geschehen zweitrangig. Nach der Vertragskündigung durch den Investor der Nürburgring GmbH „Capricorn“ war das Ende einer Ära endgültig besiegelt worden.

„Wir gehen mit Wehmut, aber nicht mit Zorn“, versicherte Lieberberg. Natürlich liefen schon Verhandlungen für einen neuen Festival-Schauplatz, bei denen die Stadt Mönchengladbach nach Angaben Lieberbergs nicht nur große Chancen besitze, sondern wo man auch durch die Politik und Verwaltung der Stadt große Unterstützung erwarten könne. Am Dienstag soll es weitere Gespräche mit Verantwortlichen geben, die eventuell einen Fortschritt für das Festival 2015 bringen könnten.

Andre Lieberberg (links), Marek Lieberberg (rechts)
Andre Lieberberg (links) und Marek Lieberberg gaben sich bei der Pressekonferenz gelassen und dennoch kämpfersich. Bild: Patrick Züll

Angesprochen auf das neue Festival des Ring-Betreibers – für das schon fast provokant rund um den Ring mit großen Plakaten geworben wird – gab sich Lieberberg gelassen und kämpferisch. „Jeder muss tun, was er für richtig hält. Aber man sollte auch aufpassen, denn aus jeder Wundertüte kann auch schnell eine Mogelpackung werden. Wir sind uns sicher, nicht der zweite Sieger zu sein“, so der Veranstalter. Unterstützung bekam er auch per Mail von Sänger Rea Garvey, der am Freitagnachmittag noch selbst auf der Bühne stand und Lieberberg schrieb, wie traurig es wäre, dass es die letzte „Rock am Ring“-Veranstaltung am Nürburgring sei.

Ein Highlight bei Nacht: Kings of Leon. Bild: Patrick Züll
Ein Highlight bei Nacht: Kings of Leon. Bild: Patrick Züll

„It’s not a location, it’s a philosophy“, beteuerte Garvey in der Mail. Der Ring ist nicht nur ein simpler Ort, er ist eine Philosophie, der jährlich 80.000 rockbegeisterte Festivalbesucher anlockt. Lieberberg selbst präsentierte sich am Abend den Fans auf der Centerstage und schwor allen Besuchern „Wir rocken weiter!“, um sich anschließend persönlich bei den Besuchern in der ersten Reihe stellvertretend für all die Jahre zu bedanken und sich und das Festival feiern zu lassen.

Für das neue Festival des Ring-Betreibers wurde fast schon provokant rund um den Ring mit großen Plakaten geworben. Bild: Patrick Züll
Für das neue Festival des Ring-Betreibers wurde fast schon provokant rund um den Ring mit großen Plakaten geworben. Bild: Patrick Züll

Doch trotz all der Trauer stand auch das Kerngeschäft im Vordergund. Das Fazit von „Rock am Ring 2014“ ist überwältigend: Es waren vier Tage zu bewältigen, die sowohl der Organisation aber auch den Festivalbesuchern alles abverlangten. Die Headliner Iron Maiden, Kings of Leon, Linkin Park und Metallica sorgten vorneweg für gute Stimmung. Doch auch die deutschen Vertreter, wie z.B. die Fantastischen 4 oder Cro, schafften es, auf der Bühne ein Feuerwerk abzufeuern und die Menge zu begeistern.

Doch nicht nur vor Ort genießt „Rock am Ring“ Kultstatus, auch medial wächst die Fangemeinde. Allein an den ersten beiden Tagen schauten 2,3 Millionen Zuschauer im TV oder Internet die Live-Streams, was gleichzeitig einen neuen Rekord bedeutet. Letztes Jahr erreichte man die Zwei-Millionen-Marke erst nach allen drei Tagen.

Menschen, so weit das Auge blickt: Rock am Ring ist kein Veranstaltungsort, sondern eine Philosophie. Bild: Patrick Züll
Menschen, so weit das Auge blickt: Rock am Ring ist kein Veranstaltungsort, sondern eine Philosophie. Bild: Patrick Züll

Auch die Polizei, vertreten durch Polizeidirektor Gerd Bertram, konnte ein positives Fazit ziehen: „Wir hatten dieses Jahr ein Publikum mit viel Disziplin“, sagte er. Der wenigen Delikte seien hauptsächlich Taschendiebstähle auf dem Festivalgelände und aufgeschlitzte Zelte gewesen.

Das Jahr 2015 wird zeigen, welche Auswirkungen der Wechsel des Standorts für „Rock am Ring“ und der Wechsel des Veranstalters für den Nürburgring selbst haben wird. Es ist zu befürchten, dass es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer geben wird.

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