Der doppelte Rheindorf

Der Kirchheimer Alexander Rheindorf ist aus Leidenschaft Feuerwehrchef und gleichzeitig Fahrer für den Vorstand der Kreissparkasse Euskirchen

Die eine Hälfte von Alexander Rheindorf gehört der Euskirchener Feuerwehr, die andere der Kreissparkasse Euskirchen. Bildmontage: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die eine Hälfte von Alexander Rheindorf gehört der Euskirchener Feuerwehr, die andere der Kreissparkasse Euskirchen. Bildmontage: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – „Meine beiden Tätigkeiten haben mit Sicherheit zu tun“, sagt Alexander Rheindorf. Der 47-jährige Euskirchener ist nämlich Leiter der Feuerwehr in der Kreisstadt, im Hauptberuf aber auch Fahrer für die Kreissparkasse Euskirchen (KSK). Beide Tätigkeiten sind nicht nur Beruf, sondern auch Berufung – und an beide kam er gewissermaßen wie die Jungfrau zum Kind.

„Ich bin in Kirchheim aufgewachsen. Im ländlichen Bereich ist es anders als im Stadtgebiet, Gemeinschaft wird gelebt, es gibt viel Zusammenhalt“, sagt er. Als Pfadfinder habe er bereits das Motto „Jeden Tag eine gute Tat“ beherzigt. Daher sei die Entscheidung leichtgefallen, als ein Freund ihn einlud, doch zur Kirchheimer Feuerwehr zu gehen. Seit seinem 17. Lebensjahr ist er bei den „Floriansjüngern“ aktiv und hat dort alle Tätigkeiten von der Pike auf gelernt: „Ehe man überhaupt mit in den Einsatz darf, muss man acht Wochenenden lang einen Grundkurs absolvieren“, so Rheindorf.

Es koste schon viel Zeit und Einsatz, Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu sein, aber es lohne sich nicht nur wegen der Kameradschaft und dem guten Gefühl, in Notfällen helfen zu können, sondern auch wegen der Gemeinschaft: „Das gilt für alle Ehrenamtlichen. Wenn diese Aufgaben von voll bezahlten Arbeitskräften erledigt werden müssten, könnte das niemand aufbringen, gerade hier auf dem Land nicht.“ Wenn in jedem Eifeldorf eine bezahlte Feuerwache bereit stünde, um die vorgeschriebenen Reaktionszeiten einzuhalten, würde das Unsummen verschlingen.

Rheindorf: „Ich bitte daher die Arbeitgeber um Verständnis. Wenn diese ihren Angestellten nicht ermöglichen, etwa für Feuerwehr, Rotes Kreuz oder andere Hilfsdienste tätig zu sein, wer soll es dann machen?“ Fast jeder könne sich ehrenamtlich zwei, drei Stunden in der Woche engagieren und etwas Gutes tun, ob im Altersheim, im Kindergarten oder bei Hilfskräften. Und ein Feuerwehrmann im Betrieb habe auch große praktische Vorteile, nicht nur im Brandfall: „Feuerwehrleute haben ein Auge auf kritische Bereiche und können sicherheitsrelevante Verbesserungsvorschläge geben, bei der Kreissparkasse bin ich daher auch Brandschutzbeauftragter.“

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Dort habe man glücklicherweise Verständnis dafür, wenn er beispielsweise zu einem Feuer ausrücken müsse. „Das findet aber wirklich nur in besonderen Fällen statt, ich habe bei der Feuerwehr darüber hinaus Stellvertreter, und bei der Kreissparkasse gibt es einen Ersatz-Fahrer“, berichtet der Feuerwehrchef.

Zum Beruf als Fahrer für Firmenchefs ist er durch Zufall gekommen: „Nach meiner Tischlerlehre habe ich bei Miele in der Schreinerei gearbeitet. Aufgrund eines Notfalls bin ich dann mehrere Wochen als Fahrer eingesprungen“, berichtet Rheindorf. Danach sei er zum Personalchef gerufen worden. Während er sich noch fragte, ob er etwas falsch gemacht habe, sei ihm eröffnet worden, dass er fortan den Werksleiter Jürgen Terrahe chauffieren sollte, da er sich als Aushilfsfahrer so überaus verantwortungsvoll gezeigt habe.

„Dadurch ist mir als Landjunge eine völlig neue Welt eröffnet worden. Ich bin mit 18 Jahren von einem Fiesta auf einen 600 Mercedes umgestiegen.“

Jürgen Terrahe habe ihn überall mit hingenommen und einbezogen, ob in Sitzungen oder teure Restaurants: „Da saß ich dann als junger Mann vom Land plötzlich an einem Tisch mit sieben Besteckteilen vor mir und wusste gar nicht, was ich damit machen sollte.“

Miele-Chef Terrahe habe ihm aber alles diskret erklärt, „das war ein toller Mann“. Nach dessen plötzlichen Tod sei die Fahrerstelle gestrichen worden, über einen Umweg bei einem Kölner Konzern ist er dann Fahrer bei der KSK für den Vorstand geworden – „zuerst noch für Hans Bösch, dann für Karl Heinz Flessau und jetzt für Udo Becker.“

Auf die Frage, ob für einen Unternehmenschef ein Fahrer nicht Luxus sei, hat der Sicherheitsexperte eine klare Antwort: „Solche wichtigen Leute wie Herrn Becker oder Landrat Rosenke darf man in der Arbeitszeit gar nicht mit dem Auto auf die Straße lassen!“ Vor einer wichtigen Sitzung seien die mit dem Kopf ganz woanders, müssten sich im Auto noch vorbereiten, wichtige Telefonate führen und könnten sich daher schon gar nicht um Parkplatzsuche kümmern, wenn es zeitlich mal eng werde. Nach der Sitzung seien sie dann gedanklich oft noch völlig gefangen, schrieben Gedächtnisprotokolle oder leiteten schon wichtige Schritte ein.

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„Wenn man zur Hauptverkehrszeit auf der Autobahn unterwegs ist, kann man sich als Fahrer solche Ablenkungen einfach nicht erlauben“; betont Alexander Rheindorf. Er sei schon selbst mehrfach durch unverantwortliches Verhalten anderer in kritische Situationen geraten. „Ich absolviere daher einmal im Jahr ein Fahrsicherheitstraining und fände es sinnvoll, wenn Fahrer ein echter Lehrberuf mit dreijähriger Ausbildungszeit werden würde“, so Rheindorf. Drei Lehrjahre bekäme man problemlos gefüllt.

Seine Berufung als Helfer in der Not vergesse Rheindorf auch hinter dem Steuer nicht, wie KSK-Vorstandvorsitzender Udo Becker berichtet: „Er fragte auf einer Fahrt mal, ob wir noch eine Viertelstunde Puffer hätten. Ich bejahte das und wollte wissen, was er vorhabe.“ Die Antwort von Rheindorf: „Da steht eine Frau am Straßenrand, die hat ein Problem mit ihrem Auto, da muss ich helfen!“

Eifeler Presse Agentur/epa

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