Auf historischen Lindenholz-Pferdchen in Erinnerungen schwelgen

Ab Karsamstag präsentiert das LVR-Freilichtmuseum Kommern wieder seinen „Jahrmarkt anno dazumal“

Das Karussell wurde 1925 im thüringischen Neustadt an der Orla gebaut. Foto: LVR-FMK
Das Karussell wurde 1925 im thüringischen Neustadt an der Orla gebaut. Foto: LVR-FMK

Mechernich-Kommern – Umgeben von mehreren hundert Jahre alten Fachwerkhäusern und begleitet von einem Wurfbüdchen, einem Guckkasten-Panoptikum, einer Obstkelterei, einem Waffelstand und allerlei historischen Geschicklichkeitsspielen für Kinder und Erwachsene werden ab Karsamstag, 15. April, im LVR-Freilichtmuseum Kommern Pferdchen aus Lindenholz ihre Bahn ziehen. Sie bilden die „Besatzung“ des Hängekarussells, das  Heinz-Jürgen Eckel aus dem nordhessischen Homburg/Efze von seinem Großvater Georg geerbt hat.

Der ehemalige Offizier der kaiserlichen Armee hatte das Karussell 1925 von Friedrich Heyn im thüringischen Neustadt an der Orla bauen lassen, um nun damit Kirmessen in der Umgebung seines Wohnortes zu bereisen. Und er hatte dafür eine renommierte Firma ausgewählt: Im ausgehenden 19. Jahrhundert gegründet, hatte sich die Holzschnitzerei Heyn in den 1920er-Jahren längst zu einer europaweit führenden Fabrik für Karusselltiere entwickelt.

Die kleine historische Kirmes in der Fachwerkbaugruppe „Westerwald“ des Museums bildet aber nur den Auftakt zu dem großen „Jahrmarkt anno dazumal“, der andernorts auf dem Museumsgelände abgehalten wird. Nach 22 Jahren präsentiert der Jahrmarkt, der als Vorbild für inzwischen zahlreiche Nostalgie-Märkte gilt, so viele historische Fahrgeschäfte wie nie zuvor.

Erstmals reiht sich da ein weiteres, mit acht Metern Spannweite recht großes Pferdekarussell ein, das 1936 von der Karussellbaufirma Gundelwein im thüringischen Wutha gebaut worden war. Bis vor kurzem wurde es noch aufwändig restauriert und erlebt nun in Kommern seine Premiere. Aus den 1920er- und 1930er-Jahren stammen auch ein Kettenkarussell mit Schwänen, ein aus den Niederlanden anreisendes Bötchen-Karussell, Deutschlands älteste noch reisende Raupenbahn, eine Schiffschaukel und das Riesenrad, das als erstes „Fahrgeschäft“ Deutschlands unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
„Gold hat die Menschen schon immer fasziniert“

Das „Kinder-Sportkarussell“ mit Straßenbahn, Feuerwehrauto und Motorrädern, das der ehemalige Pressechef des Circus Roncalli und Eigner Pascal Raviol auf Kommerns Jahrmarkt errichten wird, stammt indes aus der frühen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ebenso wie der „Geister-Express“, für dessen Grusel-Rundfahrt 1948 ein Schienensystem einer aufgegebenen Grubenbahn  noch einmal in den Dienst trat. Im selben Jahr war der Flohzirkus erstmals auf dem Münchner Oktoberfest zugegen, der nun im Freilichtmuseum ständig Einlass in seine Vorstellungen bieten wird.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bildet diesmal einen thematischen Schwerpunkt auf dem „Jahrmarkt anno dazumal“, der grundsätzlich mit seinen rund 90 Schaustellungen, artistischen Darbietungen und Ständen einen Bogen vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er-Jahre schlägt: „Vor den im letzten Jahr errichteten Nissenhütten, Notunterkünften für Ausgebombte und Flüchtlingen der Kriegszeit, inszenieren wir eine kleine Nachkriegskirmes“, kündigt Dr. Michael H. Faber vom Freilichtmuseum an, der 1995 den historischen Jahrmarkt ins Leben gerufen hat: „Vor einer Bude mit typischen Backwaren der Notzeit werden eine kriegerverwitwete Künstlerin auf der ‚Singenden Säge‘ Schlager der Zeit intonieren und Schwarzmarkthändler mit einem britischen Besatzungsoffizier ins Gehege kommen. Die Jahrmarktgäste werden daran aktiv teilhaben können.“

Rund 20 Artisten, Künstler und Schauspieler treten auf dem Museumsjahrmarkt auf. Das umfangreiche  Programm steht unter www.kommern.lvr.de zum Download bereit.

 Eintrittspreise:

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Asylantragstellende ist der Eintritt frei!

Erwachsene: 7,50 Euro

Schwerbehinderte, Studierende, Auszubildende: 5,50 Euro

Erwachsenen-Gruppen ab 10 Personen: 7,00 Euro

Jahreskarte für alle Museen des LVR: Einzelperson: 25,00 Euro

Partnerkarte: 35,00 Euro

Parkgebühr: 2,50 Euro

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
30. Gardetreffen der KG Greesberger Kommern

Jahreskarte Parken: 7,50 Euro.

Besucheradresse:

LVR-Freilichtmuseum Kommern – Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde

Eickser Straße

53894 Mechernich

Kontakt:

Tel. 02443 9980-0

kommern@lvr.de

www.kommern.lvr.de

Kommentar verfassen