Zwölfköpfiges Notfallseelsorge-Team steht ab Montag in Kall zur Verfügung

Angebot auch für Betroffene aus Nachbarkommunen – Gespräche aufsuchend oder im Kloster Steinfeld 

Ein zwölfköpfiges Kriseninterventionsteam (hier mit Bürgermeister Hermann-Josef Esser, hintere Reihe, 2.v.r.) hat Quartier im Kloster Steinfeld bezogen, um den Menschen in Kall und aus den Nachbarkommunen zur Seite zu stehen. Foto: Alice Gempfer/Gemeinde Kall
Ein zwölfköpfiges Kriseninterventionsteam (hier mit Bürgermeister Hermann-Josef Esser, hintere Reihe, 2.v.r.) hat Quartier im Kloster Steinfeld bezogen, um den Menschen in Kall und aus den Nachbarkommunen zur Seite zu stehen. Foto: Alice Gempfer/Gemeinde Kall

Kall-Steinfeld – Ein zwölfköpfiges Kriseninterventionsteam hat am Samstag Quartier im Kloster Steinfeld bezogen, um den Menschen in Kall und aus den Nachbarkommunen zur Seite zu stehen. „Unsere Notfallseelsorger sind alle speziell ausgebildet, um bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse zu unterstützen“, berichtet Einsatzleiter Albi Roebke. Erklärtes Ziel sei es, dass „aus normalen Reaktionen auf unnormale Erlebnisse keine Psychotraumata entstehen“. Das Team, das anhand seiner violetten Westen und Jacken erkennbar ist, bietet Unterstützung unabhängig vom Glauben oder der Weltanschauung der Hilfesuchenden, die Beratung ist kostenfrei und absolut vertraulich. Die Koordination der Hilfseinsätze erfolgt über die Kaller Rathaus-Hotline 0151/ 548 378 15, ab Montag können sich dort auch hilfesuchende Menschen melden.

Pater Lambertus Schildt vom Salvatorianer-Orden hatte im Kloster Steinfeld kurzfristig Räumlichkeiten zur Unterbringung des PSNV-B-Teams (Psychosoziale Notfallversorgung von Bürgern) zur Verfügung gestellt. Dort begrüßte Bürgermeister Hermann-Josef Esser die Helfer und gab einen ersten Überblick über die Lage vor Ort. „Auch die Menschen in Kall wurden von der Flutkatastrophe hart getroffen“, berichtete Esser. Nun, da das Adrenalin und der Schock nachließen, beginne die Reflektion und viele der rund 4000 Betroffenen gerieten auch in seelische Not.

Einen ersten Lagebericht gab Bürgermeister Hermann-Josef Esser (links) dem Einsatzleiter Albi Roebke. Foto: Alice Gempfer/Gemeinde Kall
Einen ersten Lagebericht gab Bürgermeister Hermann-Josef Esser (links) dem Einsatzleiter Albi Roebke. Foto: Alice Gempfer/Gemeinde Kall

Zum einen gebe es zahlreiche Menschen, die alles verloren haben, in vielen Fällen ohne den Schutz einer Elementarschadenversicherung“, und die nicht wüssten, wie es finanziell weitergehe. Gleichzeitig hätte viele noch mit den Erlebnissen der Flutnacht und den Eindrücken der ersten Tage zu kämpfen. „Das macht sich insbesondere auch an sinnlichen Wahrnehmungen fest“, berichtete er von Schilderungen Betroffener und persönlichen Beobachtungen. Menschen hätten ihm beispielsweise berichtet, sie könnten das Rauschen des Wassers immer noch hören – und dieses Geräusch nicht abschalten. Andere haben noch heute die Gerüche der Nacht „in der Nase“, ein Gemisch aus dem Geruch der aufsteigenden Kanalisation, Schlamm und Öl. Auch, weil all dies verbunden sei mit „Nacht“ hätten viele Betroffene mit erheblichen Schlafstörungen zu kämpfen.

Für die Einsatzplanung des Teams um Albi Roebke hatte der Bürgermeister Karten dabei, auf denen die am stärksten getroffenen Gebiete in Kall und den Außenorten verzeichnet sind.

Der Einsatz und die Finanzierung des Kriseninterventionsteams, das sich aus Kräften der Notfallseelsorge der evangelischen wie katholischen Kirche zusammensetzt, erfolgte auf Initiative der Bürgermeister aus Blankenheim, Hellenthal, Kall und Nettersheim in Abstimmung mit dem Kreis Euskirchen über das Land NRW. Das Hilfsangebot gilt mindestens eine Woche lang und ausdrücklich auch für Betroffene aus den Nachbarkommunen im Süden des Kreises Euskirchen. (eB)

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