Ökologische Bauprojekte liegen im Trend

Gerd M. Schumacher unterhielt sich mit Stephan Reinders, Rainer Santema und Marius Linden von der KSK Euskirchen über die zunehmende Bedeutung ökologischen Bauens – Pilotprojekt möchte innovative flutsichere Häuser im Flutkatastrophengebiet ermöglichen

Unterhielten sich über die Möglichkeiten innovativen und ökologischen Bauens in der Stadt Euskirchen: S-Finanz-Geschäftsführer Stephan Reinders (v.l.), Architekt Gerd M. Schumacher, Rainer Santema, Leiter S-FirmenCenter, und KSK-Pressesprecher Marius Linden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Unterhielten sich über die Möglichkeiten innovativen und ökologischen Bauens in der Stadt Euskirchen: S-Finanz-Geschäftsführer Stephan Reinders (v.l.), Architekt Gerd M. Schumacher, Rainer Santema, Leiter S-FirmenCenter, und KSK-Pressesprecher Marius Linden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Innovative und ökologische Bauprojekte liegen im Trend. Aber was nützten die schönsten Ideen, wenn niemand bereit ist, sie zu finanzieren? „Dabei ist ökologisches Bauen wichtiger denn je“, berichtete jetzt der Geschäftsführer der S-Finanz, Stephan Reinders, bei einem Pressegespräch im Sparkassenzentrum an der Von-Siemens-Straße. Eingeladen war dazu der Diplom-Architekt und Fach-Ingenieur sowie Geschäftsführer der Schumacher Planen & Bauen GmbH, Gerd M. Schumacher. „Ökologische Bauprojekte müssen keinesfalls immer Neubauten auf der grünen Wiese sein“, so Reinders weiter, „manchmal steht auch einfach mitten im Euskirchener Stadtzentrum eine Büroimmobilie leer, die man mit ein paar guten Ideen in ein Wohnhaus verwandeln kann.“ Als konkretes Beispiel nannte Reinders die Martinschule in Euskirchen, deren Betrieb aufgrund von Sicherheitsproblemen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte, und die nach erfolgreichem Umbau heute 18 Wohnungen beherbergt.

„In solchen und anderen Fällen arbeiten wir seit vielen Jahren sehr gut mit Herrn Schumacher zusammen“, fügte Rainer Santema, Leiter S-FirmenCenter, hinzu. Auch die Umwidmung von Gewerbegebieten in Mischgebiete stelle eine Riesenchance für den ökologischen Wohnungsbau dar, wobei man grundsätzlich anerkennen müsse, dass das Mehrfamilienhaus deutlich nachhaltiger sei als das Einfamilienhaus.

„Augenblicklich erleben wir wieder einen Wandel in der Bauphilosophie“, berichtete Gerd M. Schumacher. „Stand bis vor kurzem noch die Dach- und Fassadenbegrünung ganz weit oben auf der Wunschliste innovativer Bauherren, so misst man jetzt aufgrund der aktuellen Lage in Europa dem Thema Energiegewinnung wieder größere Bedeutung bei.“ Schumacher geht daher davon aus, dass die Dach- und Fassadenflächen zukünftig wieder mehr der Energiegewinnung dienen und mit Solarpaneelen statt Grünpflanzen bedeckt werden.

Dennoch hielt er das Thema Ersatzbegrünung weiterhin für sehr aktuell. „Wir wollen ja auf Dauer kein New York in Euskirchen haben“, sagte er. Daher sei es wichtiger denn je, dass die Bezirksregierung innovative Leitfäden entwickle, um den Verwaltungen vor Ort mehr Handlungsspielräume zu geben. Vor allem bei bereits bestehender und umzuwidmender Bebauung seien meist sehr kreative Lösungen gefragt.

An Kreativität mangelt es dem 50-jährigen Familienvater keineswegs. Bereits vor 20 Jahren experimentierte Schumacher nach skandinavischem Vorbild mit Holzfassaden, die vor allem schlichten Altbauten einen einladenden und warmen Charakter verliehen. KSK-Pressesprecher Marius Linden wollte wissen, ob die Flutkatastrophe vom vergangenen Sommer auch eine Chance für den ökologischen Wiederaufbau darstelle. Hier verriet Schumacher, dass er derzeit an einem Pilotprojekt arbeite, um Häuser, die nach der Flut zerstört wurden, nicht nur ökologisch, sondern auch flutsicher wieder aufbauen zu können. „Denn wir werden es uns auf Dauer nicht leisten können, dort, wo die Flut besonders schwere Schäden angerichtet hat, zukünftig auf eine Bebauung zu verzichten“, so Schumacher. Der in Köln geborene und in Bad Münstereifel aufgewachsene Architekt hat daher für diese Gebiete aufgeständerte Häuser entworfen. „Die Dachfläche wird bei diesen Häusern zur Energiegewinnung genutzt, gleichzeitig schaffen wir unter dem Haus eine Grünfläche samt Retentionsfläche.“ Das anfallende Regenwasser der Dachfläche lasse man vor Ort verrieseln. Natürliches Licht werde über Lichtschächte nach unten geleitet, um der Vegetation genügend Sonne zu liefern. Diese müsse natürlich passend gewählt werden, dann könne aber nicht nur Grün, sondern auch Raum für Kleintiere entstehen. „Am Ende wird es dann fast so sein, als ob das Gebäude gar nicht auf der Fläche vorhanden wäre“, so Schumacher.

Trotz aller innovativen Einfälle gibt sich Schumacher bescheiden: „Ich bin keinesfalls ein Pionier des ökologischen Bauens, sondern nur ein ganz normaler Architekt aus Euskirchen. Allerdings möchte ich alternative und wertige Häuser schaffen, in denen das Wohnen optimal realisiert wird, und nicht nur den Markt mit Immobilien beliefern.“

Schumacher, der nicht nur Architekt ist, sondern auch als Bauträger fungiert, fühlt sich bei seiner Arbeit seit über 20 Jahren gut von seiner Hausbank unterstützt. „Nachdem ich vor zwei Jahrzehnten mein erstes Projekt, die Schaffung von 15 Wohneinheiten, erfolgreich mit der KSK umgesetzt und mir die angenehme und zielführende Arbeit sehr zugesagt hatte, sah ich keinerlei Grund mehr, das Kreditinstitut zu wechseln“, berichtete Schumacher. Im Laufe der Jahre habe man sich dann immer besser kennenglernt: „Heute reicht es, wenn ich für ein neues Projekt ein paar Kennzahlen nenne, um rasch Antwort von der KSK zu bekommen. Denn man weiß dort, dass ich keine Luftschlösser baue.“

Setzt auf alternative und wertige Häuser: der Euskirchener Architekt Gerd. M. Schumacher. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Setzt auf alternative und wertige Häuser: der Euskirchener Architekt Gerd. M. Schumacher. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Genau wie die KSK ist auch Schumacher ein bekennender Regionalist. „Das Regionale sollte immer an erster Stelle stehen“, sagte er. Das gelte für die beauftragten Handwerker ebenso wie für das Kreditinstitut. Aktuell sei die Baubranche wieder einmal in einer schwierigen Lage. Aufgrund der inzwischen völlig unabsehbaren Materialpreisentwicklungen könne man derzeit beispielsweise keine schlüsselfertigen Projekte mehr anbieten.

Stephan Reinders betonte abschließend, dass ökologisches Bauen auch aus der Verantwortung für spätere Generationen heraus notwendig sei. „Wir müssen hier ganz konkret etwas tun und nicht immer nur reden“, so Reinders. Die Zusammenarbeit mit Gerd M. Schumacher sei daher ein Schritt in die richtige Richtung und nicht nur für die KSK und die regionale Baubranche von Bedeutung, sondern auch für die Menschen, die vor Ort nach ökologisch nachhaltigen Wohnalternativen suchten.

 Eifeler Presse Agentur/epa

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