KI ist keine Alternative zu solidem Finanzwissen

Kreissparkasse Euskirchen lud Siegerteams des „Planspiel Börse“ zur kleinen Feier mit Preisübergabe in die „Bowl Fabrik“ ein – „Hin und her macht Taschen leer!“

Nach der Preisübergabe standen für die Siegerinnen und Sieger Bowling und Pizza auf dem Programm. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Nach der Preisübergabe standen für die Siegerinnen und Sieger Bowling und Pizza auf dem Programm. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Mechernich – Im Vergleich zum Vorjahr sind bei den Schülerwettbewerben des Planspiels Börse noch einmal 22 Teilnehmende im Kreis Euskirchen dazu gekommen, so dass sich deren Zahl auf insgesamt 166 erhöhte. 84 Teams aus sechs Schulen führten bei der jüngsten Runde Orders mit einem Gesamtvolumen in Höhe von ca. 6,7 Millionen Euro aus. Selbstverständlich nur virtuell, denn beim Planspiel Börse können die Nachwuchs-Broker ein virtuelles Startkapital von 50.000 Euro spielerisch und risikofrei einsetzen. Doch neben dem Spaß setzt die Kreissparkasse Euskirchen (KSK) auf einen wichtigen Lerneffekt. KSK-Vorstandsmitglied Daniel Ruland, der in seiner Schulzeit selbst das erste Mal am Planspiel Börse teilnahm, betonte bei der Begrüßung der Siegerteams, dass es wichtig sei, jungen Menschen eine „finanzielle Bildung“ zu vermitteln.

„Wenn ihr in den Sozialen Medien unterwegs seid, dann erzählen euch viele sogenannte Finfluencer, wie man ganz schnell Geld verdienen kann“, sagte Ruland. Dies funktioniere laut einer Studie allerdings nur bei den wenigsten. „Der Großteil der Leute, die sich auf diese Tipps einlassen, verlieren Geld“, mahnte der Finanzexperte. Aus diesem Grund sei es wichtig, sich als junger Mensch mit dem Thema „Finanzen“ zu beschäftigen. Aber auch, um im Alter auf eine Rente zurückgreifen zu können, denn wenn man sich einmal tiefgehender mit dem Bundeshaushalt beschäftigt habe, könne man sich nicht vorstellen, dass die heutige Jugend im späteren Alter noch eine auskömmliche Rente beziehen werde.

Fragiles Marktgeschehen

KSK-Vorstand Daniel Ruland stellte die Gewinnerinnen und Gewinner des Planspiels Börse vor und hatte für die jungen Leute darüber hinaus einige Finanztipps zu bieten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
KSK-Vorstand Daniel Ruland stellte die Gewinnerinnen und Gewinner des Planspiels Börse vor und hatte für die jungen Leute darüber hinaus einige Finanztipps zu bieten. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Um sich beim Planspiel zu qualifizieren, mussten die jungen Leute drei umsatzrelevante Kaufaufträge tätigen. 20 Prozent des Depotgesamtwerts konnten in ein Wertpapier investiert werden. Zusätzlich zur Depotgesamtwertung wurden alle Wertpapiere, die nachhaltig waren, besonders ausgezeichnet. Ruland warf zunächst einen Blick auf die Marktentwicklung während der Zeit, in der das Planspiel lief, konnte aber auch aufgrund aktueller Entwicklungen wie dem Irankrieg aufzeigen, wie fragil der Markt ist: „Wenn Trump sagt, er sei in Friedensverhandlungen mit dem Iran, geht die Marktentwicklung hoch, wenn er von neuen Angriffen spricht, geht der Markt wieder runter.“

Er wollte daraufhin wissen, wie die jungen Leute sich mit dem Marktgeschehen während des Spiels auseinandergesetzt hatten. Dabei stellte sich heraus, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nicht sehr hilfreich gewesen war. „ChatGPT wollte uns sogar in bereits insolvente Firmen investieren lassen“, berichtete ein Schüler. Ruland konnte bestätigen, dass man mit KI-Entscheidungen im Zeitraum des Planspiels Börse am Markt nicht erfolgreich gewesen wäre: „KI setzt auf historische Daten, also auf alles, was es bis heute an öffentlichen Quellen gibt, und sie kann daher nicht die Zukunft vorhersagen.“ Auch sei es keine gute Idee, das Investment bei schlechter Performance sogleich zu ändern: „Hin und her macht Taschen leer“, erinnerte er an eine alte Börsenweisheit.

Erster Platz in der Depotgesamtwertung: Team „The Boyz“ mit Fin Lembicz und Jannik Freund vom St. Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Erster Platz in der Depotgesamtwertung: Team „The Boyz“ mit Fin Lembicz und Jannik Freund vom St. Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Das neue Vorstandsmitglied hatte noch weitere interessante Zahlen zu bieten: So nahmen europaweit knapp 130.000 Menschen in über 56.000 Teams am Planspiel Börse teil. Im Verbandsgebiet der Rheinischen Sparkassen versuchten sich über 8.000 Schülerinnen und Schüler im Wertpapierhandel. „Die beste Performance beim Schülerwettbewerb erzielte über 73.000 Euro mit knapp 46 Prozent Rendite“, berichtete Ruland. In den vier Monaten des Spiels seien insgesamt über 5,5 Milliarden Euro virtuell umgesetzt worden. Das beste Schülerteam im Kreis Euskirchen erreichte ein Depotgesamtwert von knapp 58.000 Euro. Und das beste Team in der Nachhaltigkeitsbewertung erzielte einen Wert von knapp 2.000 Euro.

„Kohlekommando“ und „Profit Piloten“

Den ersten Platz in der Depotgesamtwertung holte sich das Team „The Boyz“, Fin Lembicz und Jannik Freund, vom St. Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel mit einem Depotgesamtwert von 57.766 Euro. Auf Platz zwei landete das Team „Dierilligen“, Alexander Löhnenbach und Julian Geuer, ebenfalls vom St. Angela-Gymnasium (56.767 Euro). Platz drei holte sich das Team „Lottereitzgmbh“, Charlotte Hoffmann und Hanna Reitz, wieder vom St. Angela-Gymnasium (56.473 Euro).

Platz eins in der Nachhaltigkeitswertung beim Sparkassen-Azubiwettbewerb: „Die Inflations-Profis“ mit Celina Barwich und Julian Wygand. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Platz eins in der Nachhaltigkeitswertung beim Sparkassen-Azubiwettbewerb: „Die Inflations-Profis“ mit Celina Barwich und Julian Wygand. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

In der Nachhaltigkeitswertung landete das Schülerteam „Profit Piloten 110“, Luis Feuser und Tim Mauel, vom St. Angela-Gymnasium mit einem Nachhaltigkeitsertrag von 1.970 Euro auf dem ersten Platz. Platz zwei belegten Jan Peters und Jordan Blum als „Jan und Jordan“ vom Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden (1.259 Euro). Auf Platz drei landete das Team „Kohlekommando“, Aaron und Noah Gerhards, ebenfalls vom Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden (1.158 Euro). Alle Schülerteams erhalten von der KSK neben Sachpreisen gleich noch einen finanziellen Zuschuss, der z.B. für die Klassenkasse genutzt werden kann.

Platz eins in der Nachhaltigkeitswertung beim Sparkassen-Azubiwettbewerb erzielte das Team „Die Inflations-Profis“ mit Celina Barwich und Julian Wygand, die einen Nachhaltigkeitsertrag von 2.500 Euro erzielten. Platz eins in der Depotgesamtwertung holten sich die KSK-Azubis Faye Wollenweber, Celine Tissen und Alexander Friesen vom Team „CAF“, das einen Depotgesamtwert von 53.404 Euro vorweisen konnte.

Dann aber durfte endlich gefeiert werden. Dazu wurden die Siegerinnen und Sieger von Daniel Ruland und dem Planspiel-Börse-Team der KSK, Bianca Vogel und Jana Bähring, zum Bowling samt nachhaltigem Muskelkater sowie zu einer mehr als rentablen Pizza eingeladen.

Doch nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel:  Ab dem 14. September können sich Teams für die neue Runde beim Planspiel Börse über die Spielleiterin Bianca Vogel registrieren. Der erste Handelstag ist dann am 1. Oktober und der letzte am 27. Januar 2027.

Eifeler Presse Agentur/epa

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