Wieder Flöhe im Freilichtmuseum

Ab Karsamstag neun Tage „Jahrmarkt anno dazumal“ in Kommern

Im LVR-Freilichtmuseum Kommern kann man beim historischen Jahrmarkt die Flöhe tanzen sehen. Foto: Michael H.
Im LVR-Freilichtmuseum Kommern kann man beim historischen Jahrmarkt die Flöhe tanzen sehen. Foto: Michael H.

Mechernich-Kommern – Rasant ging die Schreckensnachricht um die Welt, selbst Medien in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten berichteten davon: Vor drei Jahren, kurz vor Beginn des „Jahrmarktes anno dazumal“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern, hatte der gesamte Artistenstab von 300 Flöhen des Flohzirkus Birk den Kältetod gefunden. Erst in letzter Minute konnten für den Flohzirkus Birk neue Flöhe beschafft und damit das Gastspiel gesichert werden.

Auch in diesem Jahr ist Deutschlands einziger noch existierender Flohzirkus mit schaustellerischer Tradition wieder unter den rund 90 Fahr-, Schau- und Händlergeschäften des 22. Museumsjahrmarktes. Von Samstag, 26. März bis einschließlich Sonntag, 3. April, lässt Impresario Robert Birk, der jeden Morgen seine Flöhe mit Blut aus seinem Unterarm speist, seine Flohdamen Walzer tanzen, kleine goldene Wägelchen ziehen oder stecknadelkopfgroße Fußbälle in Tore schießen. Wie gesagt, es sind alles Damen. Sie fühle sich auf Birks Arm besonders wohl, und männliche Flöhe wären für das Spektakel in der Mini-Arena viel zu schwach.

Die Geschichte von Birks Flohzirkus reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als die Jahrmärkte noch ganz von Schaudarbietungen geprägt waren. Damals gehörte der Zirkus einem gewissen Roloff Otava. Auf dem Münchner Oktoberfest 1898 führte Otava seinen Flohzirkus der Königin Viktoria von England vor. Auch Papst Leo XIII. und Kaiser Wilhelm II. bewunderten seine Flohvorführungen. Unter dem Namen „Rolof“ gastierte der Zirkus in vielen Ländern Europas, in Marokko, Indien, Argentinien und anderen Staaten der Welt.

1948 übergab Otava den Flohzirkus seinem Großneffen Peter Mathes, der ihn noch im selben Jahr erstmals wieder auf dem Münchner Oktoberfest präsentierte. Aus dieser Zeit stammt das heutige Erscheinungsbild des Flohzirkus: Der kleine, gerade mal vier Meter lange Manegenwagen mit der Kasse davor, von der aus Prinzipal Robert Birk auch die Vorstellungen dirigiert, wird seit 1948 – bis auf eine Unterbrechung – regelmäßig auf der Münchner Wies’n aufgebaut.

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1972 übernahm Sohn Hans Mathes den Zirkus. Im normalen Leben Industriekaufmann, opferte er jährlich seinen Urlaub, um auf der Wies’n den Zirkus zu betreiben. Auf anderen Jahrmärkten war der Zirkus nur selten zu sehen.

Wegen Erkrankung von Hans Mathes musste der Zirkus von 2002 bis 2004 pausieren. 2005 erwarb Robert Birk den Zirkus von Mathes; beide betrieben ihn bis 2009 als Geschäftspartner, vornehmlich auf dem Münchner Oktoberfest. Seit 2010 ist der Flohzirkus im alleinigen Besitz der Familie Birk. Es war das LVR-Freilichtmuseum Kommern, das Birk dazu bewegen konnte, Bayern zu verlassen und seinen Zirkus auf dem Museumsjahrmarkt zu präsentieren. Birk hat Geschmack daran gefunden: Heute gibt er seine Vorstellungen auf vielen historischen Jahrmärkten in Deutschland.

Der Jahrmarkt anno dazumal ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Das LVR-Freilichtmuseum Kommern öffnet um 9 Uhr. Am Donnerstag, 31. März, findet der traditionelle Familientag mit reduzierten Preisen an den Schaustellergeschäften statt.

Eintrittspreise:

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie für Asylantragstellende ist der Eintritt frei!

Jahrmarkt-Donnerstag, 31. März: Familientag mit reduzierten Preisen an vielen Schaustellergeschäften

Erwachsene: 7,50 Euro

Schwerbehinderte, Studierende, Auszubildende: 5,50 Euro

Erwachsenen-Gruppen ab 10 Personen: 7,00 Euro

Parkgebühr: 2,50 Euro

 

Besucheradresse:

LVR-Freilichtmuseum Kommern – Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde

Eickser Straße

53894 Mechernich

Kontakt:

Tel. 02443 9980-0

kommern@lvr.de

www.kommern.lvr.de

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