CAP-Markt Kuchenheim ist einer der umsatzstärksten Märkte in Deutschland

60 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung und beweisen jeden Tag aufs Neue, dass Inklusion im Arbeitsleben auch wirtschaftlich gesehen kein Handicap bedeuten muss

NEW-Geschäftsführer Georg Richerzhagen (2.v.l.) besuchte am Samstagmorgen das Team des CAP-Markts in Kuchenheim und gratulierte zum fünften Geburtstag. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
NEW-Geschäftsführer Georg Richerzhagen (2.v.l.) besuchte am Samstagmorgen das Team des CAP-Markts in Kuchenheim und gratulierte zum fünften Geburtstag. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen-Kuchenheim – Nach wie vor gibt es in der freien Wirtschaft zahlreiche Bedenken, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung einzustellen. Eine der Hauptsorgen ist, dass man sich im Arbeitsalltag zu sehr um diese Menschen kümmern müsse und dass sie aufgrund ihrer Behinderung nicht die erforderlichen Leistungen erbringen könnten. Dass es sich dabei einzig und allein um hartnäckige Vorurteile handelt, beweist seit fünf Jahren der CAP-Markt in Kuchenheim. In dem Lebensmittelgeschäft an der Kuchenheimer Straße arbeiten nicht nur ein oder zwei Menschen mit Handicap, sondern gleich 60 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung.

Und das Erstaunlichste: Das Kuchenheimer Team ist so erfolgreich, dass es von den 104 CAP-Märkten in Deutschland in Sachen Umsatz den vierten Platz belegt. Die drei ersten Plätze belegen allesamt Märkte im bevölkerungsstarken Raum rund um Stuttgart. Betreiber des CAP-Markts ist die EuLog, ein Inklusions- und Tochterunternehmen der Nordeifelwerkstätten (NEW).

„Wir sind hier von Anfang an gut angenommen worden“, berichtet Marktleiter Hans-Dieter Esser. Über 1000 Kunden besuchten den Markt täglich, in dem 34 Menschen arbeiteten, davon 21 mit Handicap. Als Nahversorger halte man ein großes Sortiment an Lebensmitteln, Obst und Gemüse, Getränken, Frischfleisch und Backwaren vorrätig. „Zu uns kommt der Sparkassenangestellte und der Bauarbeiter, die alte Dame und der Schüler“, so Esser.

Aus Anlass des Jubiläums wurde gefeiert und geschunkelt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Aus Anlass des Jubiläums wurde gefeiert und geschunkelt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen geht es im CAP-Markt in Kuchenheim ein wenig entschleunigter zu als in anderen Supermärkten dieser Größenordnung. Viele Kunden werden mit Namen begrüßt. Wenn jemand etwas sucht, dann findet sich sogleich ein Mitarbeiter, der nicht nur zum gewünschten Produkt zeigt, sondern ihn auch gern dorthin begleitet. Die Wege zwischen den Regalen sind deutlich breiter als in anderen Märkten üblich und werden nicht mit Sonderangeboten zugestellt, so dass auch der Rollstuhlfahrer dort bequem einkaufen kann. Und die Regale selbst sind deutlich niedriger, damit niemand den Überblick verliert.

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Marktleiter Hans-Dieter Esser nahm sich die Zeit, zwischendurch auch mal ein Liedchen mitzusingen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Marktleiter Hans-Dieter Esser nahm sich die Zeit, zwischendurch auch mal ein Liedchen mitzusingen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir bieten auch einen begleitenden Einkauf an, der vor allem von älteren Menschen geschätzt wird, oder bringen die schweren Einkäufe für unsere Kunden nach Hause“, berichtet Esser, „und natürlich darf bei uns auch mal ein Schwätzchen mit den Kunden gehalten werden, das gehört quasi mit zu unserer Unternehmensphilosophie.“ So gehört auch der Markt mit seiner persönlichen Betreuung, aber auch mit seinem Café längst zum Lebens-Mittelpunkt vieler Kunden, die dort gern verweilen, sich treffen und ihre sozialen Kontakte pflegen.

Auch Teamleiter Hans-Dieter Esser findet man nur selten in seinem Büro. Viele Verwaltungsarbeiten erledigt er direkt an der Brötchentheke, wo er jederzeit von den Kunden angesprochen werden darf – eine Philosophie, die auch die stellvertretende Marktleiterin Elvira Radtke pflegt. Esser: „Die Bäckerei im Haus sowie die Metzgerei, letztere betreiben wir in Eigenregie, ziehen weitere Kunden an.“ Doch nicht nur die umfangreiche Sortimentsauswahl, abgestimmt auf Standort und Kundenstruktur, sowie die Qualität der Produkte überzeuge die Kunden, sondern auch die angebotenen Dienstleistungen. So könne man sich beispielsweise seine Lebensmittel von montags bis samstags zustellen lassen. „Darüber hinaus beliefern wir alle Kindergärten in der Stadt Euskirchen mit Lebensmitteln“, so der Marktleiter.

Die „Troublemakers“ von der Lebenshilfe HPZ sorgten mit Gesang und Luftgitarrenspiel für „kölsche Tön“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Die „Troublemakers“ von der Lebenshilfe HPZ sorgten mit Gesang und Luftgitarrenspiel für „kölsche Tön“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Die Bestellungen laufen im Haupthaus der NEW an der Lisztstraße ein, dort werden sie bearbeitet und die jeweiligen Fahrer machen sich dann auf den Weg, holen die Bestellungen am CAP-Markt ab und bringen sie zu den jeweiligen Institutionen, darunter selbstverständlich auch die Betriebstätten der NEW. Für den Transport von Fleisch und Gemüse steht dem CAP-Markt ein eigenes Kühlfahrzeug zur Verfügung.

„Durch unseren CAP-Markt bieten wir eine weitere Chance, geeignete Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung außerhalb der Werkstatt zu schaffen und diese auch langfristig zu sichern“, erklärt NEW-Geschäftsführer Georg Richerzhagen. Hauptanliegen sei es dabei, die Inklusion weiter voranzubringen: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden hier zu einem Teil der Gesellschaft und fühlen sich vor allem wohl bei dem, was sie tun.“ Ziel sei es darüber hinaus, Menschen mit Behinderung wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu bringen. Wer im CAP-Markt gearbeitet habe, sei durchaus in der Lage, auch in einem anderen Lebensmittelmarkt zu arbeiten.

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Die Mitarbeiter mit Handicap betonen fast einhellig, dass es für sie entscheidend sei, in keiner Situation allein gelassen zu werden. „Ich kann immer jemanden fragen, wenn ich Hilfe benötige“, teilte eine Mitarbeiterin mit. „Die Leute hier sind nett und helfen einem“, fügt ihr Kollege hinzu. Die Mitarbeiter ohne Handicap hingegen betonen die familiäre und unterstützende Atmosphäre in dem Markt.

Wie sehr die Kunden ihren CAP-Markt in Kuchenheim schätzen, konnte man jetzt beim fünften Geburtstag des Marktes erleben. Zahlreiche Menschen kamen an diesem Tag nicht nur zum Einkaufen in den Markt, sondern auch, um mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Speis und Trank zu feiern oder ihr Glück bei der Tombola zu versuchen. Für die Kinder hielt der Nahversorger eine Hüpfburg, eine Malmaschine und einen Popcorn-Automaten bereit. Die „Troublemakers“ von der Lebenshilfe HPZ brachten es mit ihren Luftgitarren und einem Lied von den „Räubern“ gegen Mittag so auf den Punkt: „Dat es Heimat“. Kunden und Mitarbeiter schunkelten dazu im Takt.

Eifeler Presse Agentur/epa

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