Kita St. Nikolaus verschenkt Spezial-Liege

Flut zerstörte die Praxis eines Kaller Physiotherapeuten – Jungunternehmer Philipp Hück lobt schnelle Unterstützung der Gemeinde – Heidi Zander: „Suchen dringend Personal“

Die ziemlich breite Liege ist ganz schön schwer. Aus der Kita wurde das Behandlungsgerät direkt in die wieder renovierte Praxis von Philipp Hück (links) gebracht. Foto: Reiner Züll
Die ziemlich breite Liege ist ganz schön schwer. Aus der Kita wurde das Behandlungsgerät direkt in die wieder aufgebaute Praxis von Philipp Hück (links) gebracht. Foto: Reiner Züll

Kall – „Wir wollten die Liege jemandem geben, der sie brauchen kann“ berichtete Heidi Zander, Leiterin der inklusiven Kindertagesstätte St. Nikolaus in Kall, als sie jetzt eine neuwertige Therapieliege an den Physiotherapeuten Philipp Hück übergab, dessen Praxis bei der Flut im Juli letzten Jahres völlig vernichtet worden war. Jungunternehmer Hück hofft derweil, dass es mit der für den 1. Mai geplanten Wiedereröffnung seiner Physio-Praxis neben der VR-Bank klappt. Er ist der Kita St. Nikolaus äußerst dankbar für die Überlassung der speziellen Vojta-Therapieliege, die für ihn eine finanzielle Erleichterung beim Neustart in  der Kaller Ortsmitte bedeutet.
In  Kall geboren, hat auch Philipp Hück damals als Kind die Kita im Schatten der Pfarrkirche St. Nikolaus besucht. Inzwischen ist er der Liebe wegen nach Vettweiß verzogen, doch als er sich vor drei Jahren selbstständig  machte, war es für ihn keine Frage, seine Physio-Praxis in  Kall zu etablieren.

Kita-Leiterin Heidi Zander hatte die Therapie-Liege mit einer großen Schleife dekoriert, bevor sie das Geschenk an den Physiotherapeuten Philipp Hück übergab. Foto: Reiner Züll
Kita-Leiterin Heidi Zander hatte die Therapie-Liege mit eine großen Schleife dekoriert, bevor sie das Geschenk an an Physiotherapeuten Philipp Hück übergab. Foto: Reiner Züll

Doch sein Start in die Selbstständigkeit wurde schon bald durch den Ausbruch der Corona-Pandemie ausgebremst, und als es dann im Sommer letzten Jahres wieder aufwärts ging, kam das verhängnisvolle Hochwasser, das seine Praxis 1,60 Meter hoch unter Wasser setzte und die komplette Einrichtung vernichtete.
In der Benzstraße im Industriegebiet fand Hück schnell leer stehende Räumlichkeiten, wo er seine Praxis weiter betreiben konnte. Für ihn war es aber keine Frage, auch am Standort in der Ortsmitte weiterhin festzuhalten, so dass er künftig an zwei Standorten praktiziert. Er hat bereits drei neue Mitarbeiterinnen eingestellt, eine vierte soll schon bald folgen.
Dass er nun  von der Kita St. Nikolaus eine neuwertige Therapie-Liege geschenkt bekam, verdankt er der Tatsache, dass diese dort nicht mehr gebraucht wird, so Kita-Leiterin Heidi Zander. Die große breite Liege sei eine spezielle Vojta- Physiotherapieliege. Vojta sei eine spezielle Behandlungsform der Physiotherapie. Die bisherige Physiotherapeutin der Kita, die eine Zusatzausbildung in dieser Therapieform habe, sei kürzlich in Rente gegangen.
Zudem hätten finanzielle und gesetzliche Umgestaltungen des Landschaftsverbandes Rheinland und der Landesregierung dazu geführt, dass künftig die Einzeltherapien der Kinder mit Behinderung durch die Therapie und Unterstützung in Kleingruppen im Gruppenalltag ersetzt worden seien. Heidi Zander: „Unsere jetzige Physiotherapeutin arbeitet jetzt mit den Kindern in kleinen Gruppen in der Turnhalle. Deshalb wird die Liege nicht mehr gebraucht.“
Die Kita-Leiterin hatte dann bei anderen Einrichtungen der Caritas-Lebenswelten, die Trägerin der Kaller Kita ist, nachgefragt, ob Bedarf für diese spezielle Liege bestehe. Als das nicht der Fall war, erkundigte sich Heidi Zander in Kall und stieß auf die von der Flut schwer betroffene Praxis von Philipp Hück, dem diese spezielle Liege für seinen Neustart im Kaller Ortszentrum willkommen ist. Das Angebot der Kita zeige, dass die Entscheidung, in Kall seine Praxis zu eröffnen, genau richtig gewesen sei, so Philipp Hück. Dort habe er nach der Flutkatastrophe große Hilfe erfahren.
Die Kritik an der Gemeinde Kall versteht Philipp Hück indes nicht: „Ich muss der Gemeinde wirklich dankbar sein, dass sie mein Soforthilfe-Ersuchen sehr unbürokratisch und schnell bearbeitet hat. Das hat mir direkt wieder Hoffnung für die Zukunft gemacht und die Gewissheit gegeben, dass man hier keineswegs im Stich gelassen wird.“
Dankbar ist Hück auch den Männern vom Bauhof. Diese hätten mit  vollem Einsatz den von der Flut Betroffenen unter die Arme gegriffen.
Die große Hilfe der Kommune und der vielen freiwilligen Helfer habe das Licht am Ende des Tunnels schnell heller erscheinen  lassen.  Hück: „Und es hat mir einfach wieder gezeigt, warum ich meine Heimat die Gemeinde Kall so schätze“.
Auch Kita-Leiterin Heidi Zander ist froh, einem Jungunternehmer mit der Überlassung der Liege helfen zu können. Indes plagen Zander selbst große Personalsorgen: „Wir suchen dringend Logopäden und pädagogisches Fachpersonal“. Der Markt sei völlig leergefegt. (Reiner Züll/epa)

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