Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene nach dem Suizid

Neues Angebot unter dem Dach der Eifeler Caritas

Gruppenleitung Sylvia Matuschek (l.) und Caritas Vorstand Ute Stolz stellten das neue Angebot der Caritas vor. Bild: Arndt Krömer
Gruppenleitung Sylvia Matuschek (l.) und Caritas Vorstand Ute Stolz stellten das neue Angebot der Caritas vor. Bild: Arndt Krömer

Schleiden – Der Caritasverband für die Region Eifel hat das Portfolio der Selbsthilfegruppen unter seinem Dach erneut erweitert: Im Caritas-Haus Schleiden treffen sich künftig Hinterbliebene, die einen Menschen durch Suizid verloren haben. Etwa 30 Menschen nehmen sich in Deutschland jeden Tag das Leben, ca. 600 versuchen es. Pro Jahr sind dies etwa 10.000 Menschen. Zu jedem Suizidverstorbenen gehören etwa fünf bis sieben Angehörige, schätzungsweise 20 weitere Personen aus dem nahen Umfeld sind davon tief berührt und durchleben persönliche Krisen.

Zudem löst der Umgang mit einem Suizid häufig große Unsicherheiten aus. Es handelt sich nach wie vor um ein Tabuthema, das kontrovers diskutiert wird. Besonderes Anliegen ist es daher, das Thema bewusst zu öffnen und Betroffene dazu einzuladen, über ihre Situation zu sprechen. Die ehrenamtliche Gruppenleitung hat Sylvia Matuschek aus Kall-Sistig übernommen. In Zusammenarbeit mit Martina Bertram, Gemeindecaritas und Ehrenamtskoordination, hat sie die neue Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen.

„Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen als Betroffene war es mir wichtig, ein Treffen für Menschen in ähnlicher Lebenssituation zu schaffen“, erläutert Sylvia Matuschek ihre Motivation, sich ehrenamtlich als Leitung zu engagieren. „Nach dem Suizid meines Mannes, der seit sieben Jahren zeitweise unter Depressionen litt und sich zu seinem letzten Schritt entschloss, sprachen mich nur wenige auf den Verlust an. Ich bin mir sicher, dass keine Bosheit dahinter steckte – ich glaube, dass es uns Menschen einfach schwer fällt, mit dem Thema umzugehen.“ Die Gefühle, die sie seither erlebt hat, beschreibt sie als eine Achterbahnfahrt zwischen Trauer, Hilflosigkeit, Angst und Verzweiflung, aber auch mit Wut und Schuldgefühlen. Gerade Letztere hätten viele schmerzhafte Fragen in ihr aufkommen lassen: Was habe ich übersehen? Warum konnte ich es nicht verhindern? Hätte ich mehr kämpfen müssen? Was denken jetzt die anderen über mich?

In einem „normalen“ Trauercafé hat sie es nicht gut aushalten können: „Für mich ist es einfach eine andere Trauerarbeit als bei jemanden, der einen Menschen durch natürlichen Tod verloren hat. In einer solchen Gruppe hörte ich dann ‚Mein Mann hätte gerne noch gelebt und der macht einfach Schluss!‘ Da bekam ich ein schlechtes Gewissen den Teilnehmern gegenüber. Ich wusste, ich muss etwas anderes versuchen.“ So kam sie auf die Idee, die neue Selbsthilfegruppe zu gründen. Diese sei selbstverständlich kein Ersatz für eine professionelle Therapie, biete aber die Möglichkeit, das Erlebte mit anderen Betroffenen besser zu verarbeiten, führt sie weiter aus. Neben dem Austausch untereinander besteht auf Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch die Option, zu speziellen Fragen Referenten einzuladen. Caritas-Vorstand Ute Stolz ist froh, dass sich jemand dieses schwierigen Themas annimmt, und betont: „Es gehört Mut dazu, ein solches Tabu offen anzusprechen und ich freue mich, dass wir dies in unserem Haus anbieten können. Besonders wichtig ist mir dabei, dass jeder herzlich willkommen ist, unabhängig von Kultur, Weltanschauung oder Religion.“

Die Gruppe trifft sich jeden 1. Donnerstag im Monat in der Zeit von 19 bis 21 Uhr im Caritas-Haus Schleiden, Gemünder Str. 40. Startschuss ist am 5. April. Anmeldungen nimmt Sylvia Matuschek unter der Rufnummer 0 24 45/9 15 97 44 oder der E-Mail-Adresse gloeckchen4711@yahoo.de entgegen. Menschen in akuten Krisen hingegen können die Notfall-Hotline 0800/1 11 01 11 oder 0800/1 11 02 22 anrufen. (eB/epa)

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