Fußball inklusiv – viel Einsatz mit vorbildlicher Fairness

Von Sascha Gemünd und Tameer Eden

Die Nordeifel.Werkstätten Ülpenich waren jetzt Ausrichter des ersten Ligaspielspieltages für Menschen mit Behinderung des BRSNW – NE.W Mannschaft war im vergangenen Jahr Pokalsieger und konnte in der neuen Saison gleich Platz 2 in der Tabelle verbuchen

Mit vollem Einsatz, aber ebenso viel Fairness ging es beim ersten Spieltag der Liga im BRSNW zu. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit vollem Einsatz, aber ebenso viel Fairness ging es beim ersten Spieltag der Liga im BRSNW zu. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Zülpich-Ülpenich – Fußball ist in Deutschland die Nummer 1 unter den Sportarten – mehr als sechs Millionen Bundesbürger sind in über 27.000 Fußballvereinen organisiert. Von Bambini bis Nationalspieler kicken regelmäßig klein und große das runde Leder in den eckigen Kasten. Es gibt ein Ligasystem für die verschiedensten Leistungsstufen, unter anderem gibt es auch eine offizielle Liga für Menschen mit Behinderung, der DFB unterstützt Fußball für Menschen mit Handicap und richtet sogar eine Deutsche Meisterschaft für Fußballer und Fußballerinnen der bundesweit rund 700 Werkstätten für Menschen mit Behinderung aus. Auch die Fußballmannschaft der Nordeifel.Werkstätten (NE.W) ist nicht nur aktiv, sondern auch erfolgreich: So hat die NE.W-Mannschaft jetzt beim ersten Spieltag der Liga im Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen (BRSNW) den zweiten Platz erspielt und konnte im vergangenen Jahr sogar den Pokal nach Hause bringen.

Es gibt bei der BRSNW einige Anpassungen, um den Bedürfnissen der Spielerinnen und Spieler, die gemeinsam auf dem Platz sind, gerecht zu werden. So dauern die Spiele nur 15 Minuten, Freistöße werden immer indirekt ausgeführt und Rückpässe sind erlaubt, auch das viel diskutierte Abseits gibt es nicht. Das war es aber auch schon an Unterschieden, ansonsten konnten die Zuschauenden etwa in Ülpenich spannenden Fußball erleben: Einsatz, technisches Können, taktisches Verhalten und viel Spaß am Kicken waren ebenso sichtbar wie faire Zweikämpfe. Michael „Michi“ Schneider, Sportlehrer bei den NE.W, der auch schon Sportler des Jahres im Kreis Euskirchen war, war beim Spieltag als Schiedsrichter im Einsatz und lobte nicht nur die Fußballfähigkeiten der Mannschaftenn, sondern vor allem auch das Verhalten neben und auf dem Platz: „Ich habe in dem Spiel gerade genau fünf Mal pfeifen dürfen – für fünf Tore, es gab kein einziges Foul!“ Einige Spieler der Mannschaft würden jede freie Minute wie etwa die Mittagspause nutzen, um zu trainieren.

Die Mannschaft der Nordeifel-Werkstätten konnte im vergangenen Jahr sogar den Pokal abräumen und steht nach dem ersten Spieltag auf Platz 2. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Mannschaft der Nordeifel-Werkstätten konnte im vergangenen Jahr sogar den Pokal abräumen und steht nach dem ersten Spieltag auf Platz 2. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Diplom-Sportlehrer George Tugushi von den NE.W berichtet, dass es um wesentlich mehr ginge als um Fußball. Die sozialen Effekte seien eigentlich wichtiger als der Sport selbst – der sich hervorragend zur Inklusion eigne. Spieler Sascha Gemünd kickt nicht nur bei den NE.W, sondern ist auch in der Inklusionsmannschaft des SC Schwarz-Weiß Friesheim: „Wir sind ein tolles Team, in dem jeder so spielt, wie er es kann. Kein Leistungsdruck »du musst besser spielen«. Nein, einfach nur: Du bist gut, egal ob du ein Tor machst oder danebenschießt. Jeder ist willkommen und das zählt. Keiner wird bevorzugt und keiner wird im Stich gelassen.“ Was aber keinesfalls heißt, dass dort nicht mit vollem Einsatz und viel Ehrgeiz gespielt würde. Sascha Gemünd war für den SC Friesheim auch bei einem internationalen Inklusionsturnier in Köln dabei: „Unter den teilnehmenden Teams waren Gruppen aus Frankreich, der Schweiz, Holland, Werder Bremen, Hannover 96, Darmstadt 98, Köln-Hohenlind, Belgien und Luxemburg.“

Die Mannschaft aus Friesheim hat in acht Spielen fünf Siege und drei Unentschieden erzielt und somit den ersten Platz in ihrer Gruppe erreicht. Gemünd: „Jede Mannschaft hat einen eigenen Pokal erhalten, es gab keinen ersten oder zweiten Platz.“ Dennoch habe sich die Friesheimer Truppe als Sieger gefühlt, was aufgrund ihrer herausragenden Leistung nachvollziehbar war – sie hat kein Spiel verloren. Die Mannschaft habe alles gegeben bis zur Erschöpfung gekämpft. Ein Gegner war die deutsche Nationalmannschaft der Kleinwüchsigen, so Sascha Gemünd: „Die hat dem SC Friesheim das Spiel schwer gemacht, aber das Ergebnis war für beide Teams sehr gerecht.“

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