„Erfolg fängt im Kopf an“

Staraufgebot bei der jüngsten Kundenveranstaltung der Kreissparkasse Euskirchen: In der Marienschule sprachen Handball-Trainer-Legende Heiner Brand und weltbekannter Motivationscoach Jörg Löhr über Wege auf die Gewinnerseite

Mit Motivationscoach Jörg Löhr (v.l.) hatte KSK-Chef Udo Becker einen Star der Handballszene nach Euskirchen geholt, ergänzt durch Trainerlegende Heiner Brand. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit Motivationscoach Jörg Löhr (v.l.) hatte KSK-Chef Udo Becker einen Star der Handballszene nach Euskirchen geholt, ergänzt durch Trainerlegende Heiner Brand. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Die große persönliche Freude war Handball-Fan Udo Becker, Vorstands-Vorsitzender der Kreissparkasse Euskirchen (KSK), deutlich anzumerken, als er zwei echte Stars der Szene in der Marienschule ankündigte: Heiner Brand, Trainer-Legende und der einzige Handballer auf der Erde, der sowohl als Trainer wie Spieler Weltmeisterehren erreichte, sowie Jörg Löhr, 94-facher Handball-Nationalspieler, mehrfacher Deutsche Meister und mittlerweile einer der erfolgsreichsten Motivationstrainer der Welt. Becker konnte die beiden für eine weitere hochkarätige Kundenveranstaltung der KSK gewinnen, in der sie am vergangenen Freitag über die wichtigsten „Zutaten“ für das Rezept „Erfolg“ berichteten.

Heiner Brand begann mit einem Geständnis: „Ich freue mich, heute in Euskirchen zu sein – das ist als Gummersbacher nicht selbstverständlich!“ Denn seine Brüder hätten früher immer vor Spielen gegen den TV Kuchenheim gezittert. Wie man trotzdem zu den Gewinnern gehört, erklärte er in seinem Vortrag „Wege zur Höchstleistung – Spitzensport als Erfolgsmodell“.

Viele der Erkenntnisse aus dem Spitzensport könne man auch auf Unternehmen übertragen, so der Trainer mit dem charakteristischen Schnauzbart. Das beginne schon bei der Teamzusammenstellung. Denn wenn man die besten Spieler in einer Mannschaft zusammenfasse, habe man noch lange kein funktionierendes Team. „Man muss als Trainer die Individualisten dazu bringen, ihre besonderen Fähigkeiten dem Team zur Verfügung zu stellen.“ Wer das nicht könne, sei für das Team nicht geeignet – unabhängig von den Fähigkeiten als „Einzelkämpfer“.

Weltmeister-Trainer und –Spieler Heiner Brand bereicherte seinen Vortrag mit Einspielungen großer Sport-Sternstunden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Weltmeister-Trainer und –Spieler Heiner Brand bereicherte seinen Vortrag mit Einspielungen großer Sport-Sternstunden. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Bei diesem Prozess brauche es viel Fingerspitzengefühl des Trainers, um die oft etwas sperrigen „Stars“ zu integrieren. Auch müsse man den weniger individuellen Spielern ihre Bedeutung für Team und Mannschaftserfolg vor Augen führen, um einem Motivationsverlust vorzubeugen.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Museumsbereich der Grube Wohlfahrt wird erweitert und barrierefrei

Essentiell wichtig sei auch der konstruktive Umgang mit Niederlagen – wer lernt, diese als Motivation zu nutzen, sei schon den nächsten Schritt in Richtung Erfolg gegangen. Zwischendurch würzte Brand seinen Vortrag mit Einspielungen seiner Weltmeistermannschaft und gab Anekdoten zum Besten, etwa wie ihn ein Hotelmanager morgens fragte, ob er die Mannschaft wirklich schon wecken solle – die seien doch gerade erst nach Hause gekommen. „Bei der Arbeit mit jungen Menschen müssen Sie immer auf Überraschungen gefasst sein“, gab er schmunzelnd auf den Weg.

Die oft zitierten deftigen Traineransprachen in der Halbzeit gebe es laut Brand zwar, sie seien aber nicht so häufig, wie vermutet: „So etwas nutzt sich schnell ab.“ Vertrauen sei viel wichtiger, wie der Star-Trainer sagte: „Man erreicht mehr Motivation durch Zuhören als durch Reden – Menschen mögen Menschen, die ein Ohr für ihre Probleme haben.“ Und man sollte ab und zu auch mal als Belohnung für die Mannschaft zu einem bekannten Schnellrestaurant gehen.

In einem Video zeigte Brand, wie sich seine Erfolgsmannschaft lautstark und mit großen Gesten sowie gemeinsamen Ritualen vor einem Spiel motivierte. Mit Blick auf Udo Becker sagte Brand dazu: „Ich bin gespannt, wie dann der Montagmorgen in der Kreissparkasse beginnt!“

In Anspielung auf die Gewohnheiten des Handballweltmeisters Christian „Blacky“ Schwarzer, der ebenfalls im Publikum saß, scherzte Becker: „Wir werden den Montagmorgen mit Salzstangen und Malzbier beginnen und nach einem Erfolgsabschluss zur Burger-Bude gehen!“

Mit ausdrucksvoller Gestik und viel Humor gab Jörg Löhr zahlreiche Tipps für Erfolg im (Geschäfts-)Leben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Mit ausdrucksvoller Gestik und viel Humor gab Jörg Löhr zahlreiche Tipps für Erfolg im (Geschäfts-)Leben. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Die hohe Bedeutung von Begeisterung als Motivator verdeutlichte auch Jörg Löhr in einem äußerst kurzweiligen Vortrag. „Die Zeiten, in denen der Kunde dem traurigen Verkäufer aus Mitleid etwas abgekauft hat, sind endgültig vorbei“, konstatierte der Erfolgscoach mit einer Referenzliste voller weltführender Unternehmen.

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Morgens Deutsch gelernt, nachmittags Deutsch gesprochen

Ob jemand mit hängendem Kopf und hängenden Schultern oder eben aufrechten Hauptes in ein Verkaufsgespräch ginge, mache schon den entscheidenden Unterschied aus. „Erfolg wirkt immer von innen nach außen“, so Löhr. Wer etwas vermitteln wolle, sollte Bilder und Emotionen nutzen, denn ein Bild würde um den Faktor 200 besser im Gedächtnis bleiben als nur Worte. Er verdeutlichte das dem Publikum in der voll besetzten Aula durch ein kleines Experiment: „Stehen Sie bitte auf und heben einen Arm senkrecht in die Höhe“, forderte der Coach auf, streckte dabei aber auf der Bühne selbst beide Arme zu den Seiten aus. Das machte auch das Publikum sofort nach, statt die wörtliche Anweisung zu befolgen.

Überhaupt fange Erfolg im Kopf an und sei stark vom persönlichen Auftreten abhängig. Die Wissenschaft habe herausgefunden, dass ein erfolgreiches Verkaufsgespräch nur zu 15 Prozent von Fachkompetenz abhinge. Ohne die ginge es zwar auch nicht, so Löhr: „Wenn ein Kunde zur Kreissparkasse kommt und sagt, »Riesterrente, Rürup, wat is dat all« und der Kundenberater mit „»Da fragste was…« antwortet, haben Sie auf sympathische Weise für einen Ex-Kunden gesorgt.“ Aber 85 Prozent des Erfolges hingen von der persönlichen Kompetenz des Beraters ab: „In der heutigen Mediengesellschaft kommen Sie an fast alle Informationen – aber Sie werden nur Informationen glauben, deren Quelle Sie vertrauen.“

Jörg Löhr belegte seine Thesen wissenschaftlich und berichtete von den wichtigsten Fähigkeiten erfolgreicher Manager: Optimismus, Win-Win-Denken sowie Begeisterung. Als Erfolgsrezept gab er die Anleitung, sich höhere Ansprüche zu setzen, sich von limitierendem Denken zu befreien und eine Strategie für die Ziele zu überlegen. Bei Rückschlägen würde der Erfolglose seine Ansprüche zurückschrauben, wovor Löhr warnte: „Stattdessen gilt es, eine bessere Strategie zu entwickeln.“

Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren:
Vokale Perlen von Palestrina bis Sting

Der durch unterhaltsame Mimik und Körpersprache Löhrs sowie kleiner Scherzfragen („Was ist ein Zukunftsforscher? Ein Futurologe ist ein Mensch, der sich kratzt, kurz bevor es juckt“) aufgelockerte Vortrag endete mit der Aufforderung, genügend Zeit für Weiterbildung, auch und gerade durch Bücher, zu investieren. Jörg Löhr: „Man kann auch mal einen Tag fünf gerade sein lassen, aber dann muss man wieder aus der Komfortzone raus. Wachstum ist nur außerhalb der Komfortzone möglich.“

Gut gelaunt und schlagfertig moderierte Udo Becker (l.), Vorstandvorsitzender der KSK, die Kundenveranstaltung mit Motivationstrainer Jörg Löhr. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Gut gelaunt und schlagfertig moderierte Udo Becker (l.), Vorstandvorsitzender der KSK, die Kundenveranstaltung mit Motivationstrainer Jörg Löhr. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Udo Becker überraschte Löhr mit einem ganzen Maßnahmenkatalog, den er sich während Löhrs Vortrag schon überlegt hatte, worauf Löhr lachend antwortete: „Die meisten brauchen 72 Stunden, um etwas umzusetzen, Sie schaffen das in 72 Sekunden!“ Der sozial engagierte KSK-Vorstand ließ den Motivationstrainer nicht eher von der Bühne, ehe Löhr nicht von seiner Stiftung „Visions for children“ berichtete: „Wir haben in Burundi seit zehn Jahren über 1500 Kinder hinsichtlich ihrer Ernährung und Weiterbildung unterstützt. Mit nur einem Euro kann man dort für fünf Mahlzeiten sorgen.“

Weitere Informationen im Internet unter www.visions-for-children.de

Eifeler Presse Agentur/epa

Kommentar verfassen