Rund 600 Ersthelfer unterstützen mittlerweile den Rettungsdienst

Ein Jahr „Corhelper“:  In 164 Einsätzen mehrere Menschen vor dem Tod bewahrt

Sie freuen sich über die tolle Resonanz zur Corhelper-Initiative: (v.l.) Landrat Markus Ramers, Geschäftsbereichsleiterin Julia Baron sowie Martin Fehrmann und Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr. Foto: W. Andres / Kreisverwaltung Euskirchen
Sie freuen sich über die große Resonanz zur Corhelper-Initiative: (v.l.) Landrat Markus Ramers, Geschäftsbereichsleiterin Julia Baron sowie Martin Fehrmann und Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr. Foto: W. Andres / Kreisverwaltung Euskirchen

Kreis Euskirchen – Rund 600 Ersthelfer, die bisher in 164 Fällen zum Einsatz gekommen sind und mehreren Menschen das Leben retten konnten: Das ist die Bilanz ein Jahr nach Einführung der Ersthelfer-App im Kreis Euskirchen. „Wenn wir nur ein einziges Leben hätten retten können, wäre es schon ein Erfolg gewesen. Dass es so viele geworden sind, freut mich umso mehr“, sagt Landrat Markus Ramers. „Mich beeindruckt vor allem, dass sich in so kurzer Zeit 600 potentielle Lebensretter gemeldet haben. Das zeigt, dass Hilfsbereitschaft und Solidarität hier großgeschrieben werden.“
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Um die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes – das so genannte therapiefreie Intervall – zu überbrücken, gibt es im Kreis Euskirchen seit Februar 2021 die Ersthelfer-App „Corhelper“, bei der sich Interessierte als Ersthelfer registrieren können. Das Prinzip ist einfach: Wer helfen möchte, lädt die App aus den bekannten Stores auf das Smartphone. Nach Überprüfung der Voraussetzungen und einer Schulung erfolgt die Freischaltung.
„Kommt es zu einer Notfallmeldung über den Notruf 112, der auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand hinweist, alarmiert die Rettungsleitstelle den Ersthelfer automatisiert parallel zum Rettungsdienst“, erklärt Martin Fehrmann, der Abteilungsleiter Gefahrenabwehr bei der Kreisverwaltung. „Nimmt der Ersthelfer die Alarmierung an, leistet er so lange Erste Hilfe und leitet Wiederbelebungsmaßnahmen ein, bis der Rettungsdienst eintrifft.“ Die registrierten Ersthelfer seien dabei formal kein Bestandteil des öffentlichen Rettungsdienstes, sondern agierten unterstützend.
In 164 Fällen seien sie im vergangenen Jahr zum Einsatz gekommen, durchschnittlich etwa jeden zweiten Tag. „Das zeigt, wie wertvoll diese Unterstützung ist“, so Fehrmann. „Bei einem Herzinfarkt ist der Faktor Zeit entscheidend. Und da der Rettungsdienst im Durchschnitt acht bis 12 Minuten bis zum Einsatzort benötigt, kann die Unterstützung durch einen Ersthelfer in der Nachbarschaft die kritische Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken. Und damit Leben retten.“
Ist eine Wiederbelebung erforderlich, kämen möglicherweise sogar zwei Ersthelfer zum Einsatz. Während einer zum Notfallort eile und Erste Hilfe leiste, bringe ein zweiter Helfer einen „Defi“ (Automatisierter externer Defibrillator/AED) zum Patienten. Diese Geräte seien häufig in einem Feuerwehrgerätehaus oder einem andere öffentlich zugänglichen Gebäude vorhanden. Auch das laufe automatisch über die App, die den Helfer zum Defi-Standort und anschließend zum Patienten navigiere.
Die CorHelper-App suche bei einer Alarmierung grundsätzlich nach drei Ersthelfern in einem Radius von 100 Metern zum Notfallort. Halte sich kein Ersthelfer in diesem Bereich auf, werde der Radius automatisch bis zu vier Kilometern erweitert. Der Ersthelfer erhalte einen Alarm aufs Smartphone, den er annehmen oder ablehnen könne. „Und niemand hat irgendwelche Konsequenzen zu fürchten, wenn der Einsatz nicht wahrgenommen werden kann. Die Bereitschaft zur Mitwirkung als Ersthelfer ist freiwillig“, so Fehrmann.
Wer sich als Ersthelfer registrieren möchte, muss volljährig sein, einen Erste-Hilfe-Lehrgang im Umfang von mindestens neun Unterrichtseinheiten innerhalb der letzten 24 Monaten absolviert haben und an einer Erstunterweisung des Kreises Euskirchen teilnehmen. Martin Duske von der Abteilung Gefahrenabwehr des Kreises resümiert: „Wir sind sehr zufrieden mit der Zahl der bereits registrierten Ersthelfer seit Projektstart im Februar 2021. Aber über weiteren Zuwachs würden wir uns natürlich sehr freuen.“ Ziel ist es, wie Landrat Markus Ramers betont, auf einen Pool von rund 1300 bis 1500 Ersthelfer zurückgreifen zu können.
Er begrüßt insbesondere, dass das Corhelper-Projekt nicht nur im Kreis Euskirchen eingeführt wurde, sondern unter dem Motto „Region Aachen rettet“ auch in den Kreisen Düren und Heinsberg sowie in der Stadt und der Städteregion Aachen. „Das ist ein starker Verbund und es führt dazu, dass Ersthelfer – egal wo sie registriert sind – in der gesamten Region zum Einsatz kommen können.“

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