Bei dem sportlichen Event gehen Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Schulformen nicht gegeneinander, sondern nach Altersgruppen gemeinsam an den Start – Sandkuhle, Baumstamm und ein fieser „Knipp“

Kall-Urft – Laute Anfeuerungsrufe waren am Mittwochmorgen schon oben auf der Urfttalstraße zu hören. Auf dem Gelände des Hermann-Josef-Hauses, eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, starteten zur frühen Stunde die 11. Inklusiven Kreismeisterschaften der Schulen im Crosslauf. Elf Schulen und drei Förderschulen hatten sich angemeldet, um bei diesem sportlichen Event dabei zu sein. Mit 253 Starterinnen und Startern erlebte der Crosslauf damit einen neuen Teilnehmerrekord. Erstmals schickte auch das Franken-Gymnasium aus Zülpich seinen Laufkader ins Urfttal.

„Angefangen hat alles mit gerade einmal 80 Läuferinnen und Läufern“, berichtete Michael Giefer, Lehrer an der Förderschule des Hermann-Josef-Hauses, der das Event zum elften Mal quasi als sportlicher Direktor organisierte. Denn Sport ist Giefers große Leidenschaft. Kurz vor der Jahrtausendwende fuhr er mit dem Fahrrad von Deutschland bis nach China, 14.400 Kilometer in 120 Tagen. Doch als ehemaliger Leistungssportler des LC-Euskirchen liegt ihm das Zufußgehen eigentlich mehr. 2004 wanderte er vom Baikal See in Sibirien durch die Mongolei bis in die Wüste Gobi. Aber wenn es dann doch mal etwas schneller gehen soll, dann ist das Crosslaufen sein Ding.
„Irgendwann dachte ich mir, Crosslaufen sei auch eine tolle Sache für Schülerinnen und Schüler“, berichtete er. Kurz darauf war das inklusive Sportereignis aus der Taufe gehoben. „Ich glaube, wir haben hier wieder einen ganz anspruchsvollen Parcours eingerichtet“, freute sich Giefer. Der Weg führte quer über das Gelände des Hermann-Josef-Hauses. Die jungen Leute mussten unter anderem durch eine Sandkuhle hindurch rennen, über einen Baum klettern und vor allem viel Wiesengelände absolvieren. Kurz vor dem Zieleinlauf der 750 Meter Bahn kam dann noch ein „Knipp“, ein steiler Anstieg, der es in sich hatte und mächtig in die Beine ging. Vor allem, wenn man die Runde nicht nur einmal, sondern je nach Alter bis zu vier Mal absolvieren musste.

„Für die Starter ist die Verpflegung heute kostenlos“, erzählte Giefer, „dafür danken wir der Kreissparkasse Euskirchen, ohne sie wäre das alles hier nicht möglich.“ Dank aber ging auch an die vielen Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Vormittag im pausenlosen Einsatz waren, Startnummern ausgaben, Starter überprüften, Zettel ausfüllten oder als Streckenposten jeden auf der Strecke im Blick behielten. Lehrerin Annika Trappen kümmerte sich mit ihrer Klasse für die Verpflegung der hungrigen Crossathleten. „Gemeinsam mit meinen Schülerinnen und Schülern haben wir heute Morgen schon über 250 Brötchen aufgeschnitten“, berichtete sie, während sie Hot Dogs an die Kinder verteilte. „Das machen wir jedes Jahr, und es macht einen Riesenspaß“, betonte sie, während sie die jungen Leute bei der Wahl der richtigen Sauce beriet.

Schulleiterin Barbara Bialas hatte es derweil in die Turnhalle verschlagen, wo sie den eintreffenden Schülerinnen und Schülern einen festen Platz für ihre Utensilien zuwies. Alles war genau organisiert, vor dem Schulgebäude wurde pausenlos gestaubsaugt und dafür gesorgt, dass die Crossschuhe mit entsprechender Schlammkruste draußen bleiben mussten.
„Diese inklusive Veranstaltung ist immer wieder ein gigantisches Erlebnis“, freute sich Bialas. „Unsere Schülerinnen und Schüler sind begeistert, dass so viele an diesem Lauf mitmachen und mit ihnen gemeinsam die Strecke absolvieren.“ Denn das ist das Besondere am inklusiven Crosslauf: Hier gehen nicht die Schulen gegeneinander an den Start, sondern die jeweiligen Altersgruppen aus allen Schulen starten gemeinsam. So laufen die Kinder mit Förderbedarf beispielsweise Seite an Seite mit Gleichaltrigen aus dem Gymnasium.
„Klar, für einige unserer Schüler ist der Parcours eine echte Herausforderung, aber wenn ich die anderen Jugendlichen frage, ob sie notfalls auch eine Runde mehr laufen, damit niemand am Ende die Runde allein zu Ende bringen muss, sind die immer sofort dazu bereit“, so Barbara Bialas. Es sei schön zu sehen, wie sich die jungen Leute, egal ob mit oder ohne Förderbedarf, gegenseitig „supporten“.

Für die drei Erstplatzierten jeder Altersklasse gab es bei der Siegerehrung kleine Geschenke. „Auch hier unterstützt uns freundlicherweise die KSK, so dass wir nicht alle Kosten selber tragen müssen“, freute sich die Schulleiterin.
Zur Siegerehrung übernahm Bürgermeister Emmanuel Kunz gerne die Aufgabe, den jeweils drei Erstplatzierten der Altersklassen ihre Urkunden und ein kleines Geschenk zu überreichen. Kunz war beeindruckt von der Veranstaltung: „Es ist wieder einmal toll, was das Hermann-Josef-Haus auf die Beine stellt. Hier in Urft treffen sich Schülerinnen und Schüler ganz verschiedener Schulformen aus dem Kreis Euskirchen, um sich in einem fairen Wettkampf zu messen, aber sich auch gegenseitig zu unterstützen. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl, das man spüren kann.“
Mit dabei waren in diesem Jahr das Hermann-Josef-Haus Urft, das Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld, die Nikolausschule Kall, die Realschule Bad Münstereifel, das St.-Michael-Gymnasium Bad Münstereifel, das St.-Angela-Gymnasium Bad Münstereifel, die Geschwister-Graf-Gesamtschule Euskirchen, das Emil-Fischer-Gymnasium Euskirchen, die Marienschule Euskirchen, die Stephanusschule Zülpich und das Franken-Gymnasium Zülpich.
Eifeler Presse Agentur/epa