Informationsstele an Anne-Frank-Kastanie eingeweiht

Anne Frank wäre heute am 12. Juni 97 Jahre alt geworden – Marienschule Euskirchen möchte Schülerinnen und Schülern vermitteln, wie wichtig es ist, sich für eine menschliche Zukunft mit Frieden und Freiheit einzusetzen – Projekt wurde von der Kreissparkasse Euskirchen unterstüzt

Schülerinnen lasen bei der Einweihung aus dem Tagebuch von Anne Frank. KSK-Stiftungsvorstand Karl-Heinz Daniel (v.l.), Bürgermeister Sacha Reichelt und Schulleiter Michael Mombaur hörten zu. Bild: Marienschule
Schülerinnen lasen bei der Einweihung aus dem Tagebuch von Anne Frank. KSK-Stiftungsvorstand Karl-Heinz Daniel (v.l.), Bürgermeister Sacha Reichelt und Schulleiter Michael Mombaur hörten zu. Bild: Marienschule

Euskirchen – Der wichtigste Baum im Naturgarten des Euskirchener Gymnasiums ist ein symbolischer Ableger der Kastanie vor dem Fenster des Hinterhauses in Amsterdam, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckte – bis zu ihrer Entdeckung im Jahr 1944. Es folgte die Deportation und schlussendlich die Ermordung aller Versteckten einschließlich Annes, mit Ausnahme von ihrem Vater Otto, der posthum das Tagebuch seiner Tochter veröffentlichen ließ. In ihrem weltberühmten Tagebuch erwähnt Anne die Kastanie, die sie aus dem Dachfenster sehen konnte, und die sie an die Außenwelt erinnerte und somit etwas Hoffnung in Zeiten der Isolation schenkte.

Karl-Heinz Daniel und Sacha Reichelt betonten, wie wichtig es sei, demokratische Werte zu leben, sie wertzuschätzen und zu verteidigen. Bild: Marienschule
Karl-Heinz Daniel und Sacha Reichelt betonten, wie wichtig es sei, demokratische Werte zu leben, sie wertzuschätzen und zu verteidigen. Bild: Marienschule

Vor vielen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und einer ganzen Reihe von externen Gästen aus Gesellschaft und Politik nahm Schulleiter Michael Mombaur kürzlich die Einweihung der Informationsstele zur Kastanie zum Anlass, um an Annes tragisches Schicksal und ihren Charakter zu erinnern. Er zeichnete Annes Bild als vielschichtiges, sensibles und emotionales Mädchen, das einen Blick für gesellschaftliche Mechanismen und die Menschen gehabt habe. Das pubertierende „Energiebündel“ habe mit Klarheit, Klugheit und Herz erkannt, dass der Mensch seine Geschicke im Kleinen ändern und verbessern könne, so Mombaur, er müsse nur einfach anfangen, sich abends zu überlegen, was er morgen besser machen könne. Mit einem solchen moralischen Kompass und ihren Talenten und ihrem Ehrgeiz habe Anne die Welt mit ihren Worten berühren wollen und sei dann jäh von der Nazi-Barbarei aus dem Leben gerissen worden. Mombaur: „Jeder kann die Welt etwas heller, etwas besser machen. Fangen wir damit an. Heute.“

Demokratische Werte leben

Die Botschaft, dass es auf jede und jeden ankomme, demokratische Werte zu leben, sie wertzuschätzen und zu verteidigen, stand auch im Kern der Grußworte von Bürgermeister Sacha Reichelt und Karl-Heinz Daniel, Stiftungsvorstand der Kreissparkasse Euskirchen. Letztere hatte das Projekt großzügig unterstützt.

Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen hatten einige Steine bemalt. Bild: Marienschule
Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen hatten einige Steine bemalt. Bild: Marienschule

Reichelt appellierte an die jungen Menschen, sich aktiv für eine demokratische und humane Gesellschaft einzusetzen, die man als Geschenk verstehen solle, das man sich verdienen müsse. „Wir müssen unsere Freiheiten, für die viele Menschen gekämpft haben und manche sogar gestorben sind, jeden Tag aufs Neue verteidigen“, so Reichelt. „Dabei setzen wir besonders auf euch“, appellierte er an die Schülerinnen und Schüler, „denn ihr seid diejenigen, die irgendwann mal die Regeln machen.“

Karl-Heinz Daniel hoffte in seinem Grußwort, dass mit dem Wachsen der Kastanie auch das Bewusstsein für Toleranz und Menschlichkeit gestärkt werden möge. „Die Kastanie möge ein Mahnmal sein – insbesondere für das, was wir selbst gestalten können“, so Daniel.

Emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung war der berührende Beitrag von Lehrerin Elke Höver und einigen Schülerinnen, die Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank vorlasen. Nach einem ebenfalls hochklassigen Beitrag der Schulchöre unter der Leitung von Barbara Luke legten Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen bunt bemalte Steine ab, die für Vielfalt, Erinnerung und Zusammenhalt stehen. (eB/epa)

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