Gillesbach in Urft wird von Geröll und Schlamm befreit

Bürgermeister Esser: „Eine tolle Gemeinschaftsaktion von THW, MAS-GmbH und unserem Bauhof“ – Bach fließt tagsüber durch zwei dicke Schläuche – THW pumpt bis zu 30.000 Liter in der Minute – Schwerstarbeit für zwei MAS-Mitarbeiter, die im unterirdischen Kanal arbeiten

Bauleiter Eduard Zubiks (v.l.), Bürgermeister Hermann-Josef Esser, Luciano Ceraziun und Sergej Kilber (beide MAS-GmbH) vor dem entleerten Saugbagger. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bauleiter Eduard Zubiks (v.l.), Bürgermeister Hermann-Josef Esser, Luciano Ceraziun und Sergej Kilber (beide MAS-GmbH) vor dem entleerten Saugbagger. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kall-Urft – Der kleine Ort Urft mit seinen gerade einmal rund 320 Einwohnern gleicht zurzeit einer Großbaustelle. Durchfahrende erblicken eine Einheit des THW mit riesigen Pumpen, einen großen Saugbagger, dessen Ansaugschlauch im Asphalt verschwindet, und vor allem zwei enorm dicke Schläuche, die sich über 300 Meter durch den Ort ziehen. Wie das alles zusammenhängt, darüber informiert jetzt Projektleiter Eduard Zubiks vom Bauamt der Gemeinde Kall.

Aus den Absetzschächten pumpt das THW den eintreffenden Gillesbach komplett ab. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Aus den Absetzschächten pumpt das THW den eintreffenden Gillesbach komplett ab. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Hier läuft gerade eine komplizierte Maßnahme, die uns fast täglich vor neue Herausforderungen stellt“, so Zubiks am frühen Mittwochmorgen. Zu dieser Zeit hat das THW bereits seit einigen Stunden seine Pumparbeit aufgenommen. „Es ist schwer zu glauben, aber der gesamte Gillesbach steckt gerade dort in den beiden Schläuchen“, sagt Zubiks und weist auf die biegsamen Röhren hin, die auf dem Gehweg liegen und über 300 Meter entfernt in die Urft entwässern.
Die Maßnahme, so erfährt man rasch, ist eine der vielen, die die Gemeinde Kall noch immer wegen der Flutkatastrophe leisten muss. Denn in der verhängnisvollen Nacht vom 14. auf den 15. Juli riss der plötzlich tosende Gillesbach tonnenweise Geröll und Geschiebe mit sich, das jetzt vor allem noch in dem letzten über 90 Meter langen Teilstück festsitzt, das den Gillesbach unterirdisch unter der Landesstraße und der Bahnlinie hindurch in die Urft leitet.

Der gesamte Gillesbach fließt tagsüber durch zwei dicke Schläuche zur Urft. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der gesamte Gillesbach fließt tagsüber durch zwei dicke Schläuche zur Urft. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Bevor der Gillesbach im oberen Bereich des Ortes in seine zunächst noch offene Kastenführung tritt, gibt es zwei Absatzbecken. Diese hat der Bauhof von Steinen und Schlamm gereinigt, so dass das THW dort das einlaufende Wasser sehr gut aus diesen Schächten heraus abpumpen kann“, berichtet Zubiks. Denn bevor der Saugbagger, der Geröll und Schlamm aufnimmt, in Aktion treten kann, muss das Wasser erst einmal aus dem Fluss raus. „Ansonsten würde der Saugbagger nicht effektiv arbeiten, da er sich statt mit Geröll nur mit Wasser vollsaugte“, erklärt Zubiks. Einen halben Meter hoch hätten die Gesteinsmassen im Kastenprofil gelegen. Mittlerweile ist das meiste davon beseitigt. Nur im unterirdischen Teilstück steckt noch einiges fest.
Mit einem Team von sieben Leuten ist THW-Truppführer Marcel Schumacher jeden Tag auf Höhe der Bushaltestelle im Einsatz, um ab den frühen Morgenstunden den Bach trockenzulegen. „Wir haben hier zwei Großpumpen vor Ort, die zusammen bis zu 30.000 Liter in der Minute schaffen, dazu einige weitere kleine Pumpen, die nochmals 5000 Liter leisten“, berichtet Schumacher. Für die derzeitigen trocknen Witterungsverhältnisse reiche das aus. Gut 150 Liter Diesel werden dabei pro Tag benötigt.

Fast täglich gibt es neue Probleme, die Eduard Zubiks (links) und MAS-Maschinist Sergej Kilber lösen müssen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Fast täglich gibt es neue Probleme, die Eduard Zubiks (links) und MAS-Maschinist Sergej Kilber lösen müssen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir sind dem THW sehr dankbar, dass es uns zur Hand geht“, sagt Bürgermeister Hermann-Josef Esser, der beim THW ein Amtshilfeersuchen gestellt hatte. Ohne die Spezialisten wäre die gesamte Aktion nicht möglich gewesen. „Dankbar bin ich aber auch der MAS-GmbH aus Kerpen, die ihren Saugbagger zur Verfügung stellt und quasi angesichts der stabilen Wetterlage auf Zuruf mit der Arbeit begonnen hat.“ Denn es sei nicht leicht gewesen, eine Firma zu finden, die diese extrem anstrengende Arbeit leisten wollte.
Anstrengend ist sie vor allem für Luciano Ceraziun und seinen Bruder. Denn die beiden MAS-Mitarbeiter stecken im unterirdischen Teil des Gillesbachs und schaufeln das Geröll von Hand in den Absaugstutzen des Baggers. Dabei müssen sie überwiegend kniend arbeiten, da ein aufrechtes Stehen dort nicht möglich ist. Allein den Arbeitsplatz zu erreichen ist eine Tortur. Während Luciano an diesem Vormittag eine kurze Pause nutzt, um etwas Luft zu schnappen, bleibt sein Bruder daher lieber unten, um Kräfte zu sparen. Das einzig Gute: Das THW hat den Kanal weiträumig ausgeleuchtet.

Bürgermeister Hermann-Josef Esser (links) bei einer Besprechung mit THW-Truppführer Marcel Schumacher (2.v.l.). Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Bürgermeister Hermann-Josef Esser (links) bei einer Besprechung mit THW-Truppführer Marcel Schumacher (2.v.l.). Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Wir haben hier selbstverständlich sehr stark auf den Arbeitsschutz geachtet“, erklärt Zubiks. Dazu habe das THW gemeinsam mit dem Bauhof im Flusslauf eine Absperrung errichtet, damit im Notfall, etwa bei einem Starkregenereignis, genügend Zeit bleibe, die Männer aus dem Kanal zu holen. Doch trotz der enormen Pumpleistung des THWs dringt immer noch Wasser in das künstliche Flussbett. „Je näher wir Richtung Urft kommen, desto kräftiger drückt das Grundwasser“, will Zubiks gerade erklären, da wird er von MAS-Maschinisten Sergej Kilber auf ein weiteres Problem hingewiesen. Die Dichtungen, mit denen die Fertigbauteile des Tunnels einst aneinandergesetzt wurden, sind teilweise undicht, auch von dort strömt jetzt Wasser in den Kanal.

Wenn der Saugbagger voll ist, kann er direkt auf der anderen Straßenseite am Urftufer entleert werden. MAS-Maschinist Sergej Kilber (rechts) kann den Bagger komplett per Joystick fahren und entleeren. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Wenn der Saugbagger voll ist, kann er direkt auf der anderen Straßenseite am Urftufer entleert werden. MAS-Maschinist Sergej Kilber (rechts) kann den Bagger komplett per Joystick fahren und entleeren. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Der Gillesbach liegt in einem Karstgebiet, in solchen Felsklüften verschwindet Wasser plötzlich und taucht anderswo wieder auf. Im Grunde genommen sind die undichten Stellen nicht schlimm, sie verhindern nur, dass der Saugbagger volle Leistung bringen kann“, so Zubiks. Da seien die knapp acht Kubikmeter Fassungsvermögen des Baggercontainers schnell erschöpft, wenn zum Geröll auch noch Wasser komme.

Für die Arbeiter ist das Befüllen des Bagger-Saugstutzens im niedrigen Schacht extrem schwere Arbeit. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Für die Arbeiter ist das Befüllen des Bagger-Saugstutzens im niedrigen Schacht extrem schwere Arbeit. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Die Hälfte des gut 90 Meter langen unterirdischen Teilstücks wurde in nur einer Woche wieder freigelegt“, freut sich Bürgermeister Esser. Wenn es so weiter gehe und nichts Unvorhersehbares geschehe, könne man in einer weiteren Woche fast fertig sein. „Das ist hier wirklich eine tolle Gemeinschaftsaktion von THW, MAS-GmbH und unserem Bauhof“, zeigt sich Esser begeistert über die Arbeiten. Langfristig, so gibt er an diesem Morgen allerdings zu bedenken, müsse man mit Straßen.NRW überlegen, ob die unterirdische Führung des Gillesbachs, die unter der Landesstraße und der Bahnlinie hindurchführe, so auf Dauer aufrechterhalten bleiben könne. (epa)

Dort, wo der abgepumpte Gillesbach in die Urft geleitet wird, besitzt Urft für einige Tage einen künstlichen Wasserfall. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Dort, wo der abgepumpte Gillesbach in die Urft geleitet wird, besitzt Urft für einige Tage einen künstlichen Wasserfall. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
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