„Social Entrepreneur Award Kreis Euskirchen 2025“ ging an Takasago und Wachswandel

Bewerben durften sich Unternehmen und Organisationen, für die wirtschaftliches und soziales Handeln eng verknüpft sind – Juryauswahl der Bewerbenden durfte sich in der „Ideenfabrik“ in Drei-Minuten-Vorträgen vorstellen

Eigentlich alles Gewinner, denn eine soziale Gesellschaft geht alle an: Vertreterinnen und Vertreter von den Bewerbern, vom Kreis Euskirchen und der Jury nach der Preisverleihung zum „Social Entrepreneur Award Kreis Euskirchen 2025“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa
Eigentlich alles Gewinner, denn eine soziale Gesellschaft geht alle an: Vertreterinnen und Vertreter von den Bewerbern, vom Kreis Euskirchen und der Jury nach der Preisverleihung zum „Social Entrepreneur Award Kreis Euskirchen 2025“. Bild: Tameer Gunnar Eden/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen – Unternehmen und Organisationen, die soziales Engagement für Mitarbeitende zeigen, aber auch über die Unternehmensgrenzen hinaus etwa gemeinnützige Vereine unterstützen, konnten sich zum zweiten Mal für den „Social Entrepreneur Award Kreis Euskirchen 2025“ bewerben. In der „Ideenfabrik“, beheimatet in der Alten Tuchfabrik Euskirchen, durften sich jetzt die fünf besten Bewerber aus mittleren und großen sowie drei Teilnehmende aus kleinen Unternehmen bis fünf Mitarbeitende präsentieren.

In dreiminütigen Kurzvorträgen, in der Wirtschaftswelt „Pitches“ genannt, konnten Verantwortliche von den Unternehmen und Organisationen DRK Kreisverband Euskirchen, Krewelshof Eifel, Marienborn, Marien-Hospital Euskirchen und Takasago Europe ihr soziales Engagement darstellen und so vor dem zahlreich erschienen Publikum für einen guten Eindruck sorgen, denn neben der Jury, die aus den 32 Bewerbungen die Vorauswahl getroffen hatte, zählte am Ende auch die per Live-Abstimmung getroffene Publikumsentscheidung.

„Jode-Chef-Preis“

Den „Jode-Chef-Preis“, wie Moderator und Journalist Sebastian Tittelbach den etwas sperrigen Titel des Preises in landläufiges Eifeler Platt übersetzte, ging an Takasago Europe. Deren Senior Partner Niclas Cronenberg hatte in seinem Pitch sichtlich bewegt von einem an Leukämie erkranktem Kollegen berichtet, für dessen Knochenmarksspendersuche sich der gesamte Betrieb stark gemacht hatte. Cronenberg berichtete auch vom glücklichen Ausgang, ein Spender wurde gefunden: „Ich bin sehr froh, dass ich heute noch mit diesem Kollegen zusammenarbeiten kann!“ Im Nachgang bemerkte er: „Für Takasago ist soziale Verantwortung keine Kampagne, sondern Haltung. Deshalb bedeutet uns dieser Preis besonders viel. Er ist eine Anerkennung für all die Kolleginnen und Kollegen in Zülpich, die jeden Tag zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gelebte Verantwortung zusammengehören.“

Dies sei für ein Unternehmen in Japan eine Selbstverständlichkeit und würde auch von Takasago Europe so gelebt. Takasago International Corporation kann auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken und ist spezialisiert auf Aroma- und Geschmacksstoffe.

Bei den kleinen Unternehmen gewann mit Wachswandel ein Start-Up, was seit Sommer 2025 Wachsreste an momentan über 50 Abgabestellen sammelt, um sie zu neuen Kerzen zu recyceln. Wachswandel stiftet einen Teil des Erlöses an soziale Organisationen und gibt zudem noch Mitarbeitenden eine Chance, denen der Allgemeine Arbeitsmarkt sonst nicht so leicht zugänglich ist. Die bislang über drei Tonnen gesammeltes Wachs bekommen ein neues Leben auch in kreativer Form, etwa als „Narrenkappenkerze Jeck“. Auf der Seite www.wachswandel.de können sich Interessierte melden, die die Idee unterstützen und selbst zur Sammelstelle werden möchten.

Zeit zum Handeln drängt

Als sehr positiv bewertete Jury-Mitglied Rainer Santema den Wettbewerb und die Qualität der Einsendungen. Als Leiter des S-FirmenCenters der Kreissparkasse Euskirchen kennt er viele der Bewerber-Unternehmen aus seinem Berufsleben und weiß: „Es gab Bewerbungen, bei denen nicht einmal alle sozial nachhaltigen Angebote erwähnt sind.“ Er spreche das Thema Soziale Nachhaltigkeit mit Kunden regelmäßig an und engagiere sich auch in anderen Gremien sowie bei ProEco Rheinland, dem Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der Rheinischen Sparkassen. Angesichts der Wichtigkeit des Themas ist er etwas enttäuscht darüber, dass die von der Politik angekündigte Berichtspflicht zur sozialen Nachhaltigkeit mittlerweile stark abgeschwächt ist – denn sie ist zum Beispiel nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von mehr als 450 Mio. Euro geplant: „Damit gäbe es, wenn überhaupt, nur noch einzelne Unternehmen im Kreis Euskirchen, die dies verpflichtend umsetzen müssen.“ Umso erfreulicher findet er, dass manche Kunden sich freiwillig darum kümmern und auch dem Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, das Thema wichtig ist.

Denn Ramers ist Initiator des Preises. Er war sichtlich erfreut über die hohe Beteiligung der Bewerber, die sich seit der ersten Preisverleihung im vergangenen Jahr direkt verdoppelt hatte. Zudem lobte Ramers die wachsende Anzahl an Unternehmen, die den Wert sozialen Einsatzes erkennen – und dies auch als positiven wirtschaftlichen Faktor nutzen.

Notwendigkeit von sozial und ökologisch nachhaltigem Handeln

Darauf wies auch Prof. Dr. Stephan Hankammer hin, der in einem einführenden Impulsvortrag nicht nur von der Nützlichkeit, sondern von der Notwendigkeit von sozial und ökologisch nachhaltigem Handeln in Unternehmen sprach. Dies werde auch für die wirtschaftliche Beurteilung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens zunehmend von hoher Bedeutung. Dass die Zeit zum Handeln drängt, machte er an einem einfachen Beispiel deutlich: „Wenn alle Menschen auf der Erde so leben würden wie wir hier in Deutschland, dann bräuchte wir drei Erden, um die Ressourcen bereitzustellen. Wenn alle Menschen so leben würden wie US-Bürger, dann bräuchten wir fünf.“

Mit dem „Social Entrepreneur Award“ verfolgt der Kreis Euskirchen das Ziel, Unternehmen aller Größen zu ermutigen, gesellschaftliche Wirkung systematisch in ihr unternehmerisches Handeln zu integrieren und vorbildliche Ansätze öffentlich zu würdigen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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