„viertelvoracht“ zu Gast auf dem Antoniushof in Lorbach – Geschäftsführer Helmut Dahmen gewährte einen Einblick in seinen hochmodernen Landwirtschaftsbetrieb – Für Iris Poth, Leiterin der Stabsstelle Struktur- und Wirtschaftsförderung, war es die letzte Veranstaltung dieser Art

Mechernich-Lorbach – Der kleine Ortsteil Lorbach ist im großen Stadtgebiet von Mechernich gewissermaßen das gesegnete Land, wo Milch und Honig fließen. Gut, Honig eher weniger, dafür aber jährlich über fünf Millionen Liter vom weißen Gold. Denn der seit 1957 dort ansässige Antoniushof, den Helmut Dahmen heute gemeinsam mit seinem Sohn Lukas in vierter Generation führt, gehört zu den größten und modernsten Milchviehbetrieben in der Region und erwirtschaftet mit seinen 15 zweibeinigen und 420 vierbeinigen Mitarbeitern einen Umsatz von drei Millionen Euro pro Jahr. Grund genug für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Unternehmerfrühstücks „viertelvoracht“, einer Partnerinitiative von Kreiswirtschaftsförderung und Kreissparkasse Euskirchen (KSK), sich den Antoniushof einmal genauer zu betrachten.

KSK-Vorstandsmitglied Daniel Ruland, der selber auf einem Bauernhof groß wurde, verdeutlichte die nackten Wirtschaftszahlen mit einer kleinen Rechnung: „Die Kühe auf dem Antoniushof produzieren 12.000 Liter Milch am Tag, damit könnte meine Familie, die rund sieben Liter in der Woche trinkt, über 30 Jahre auskommen.“ Ruland bedauerte nur, dass es Helmut Dahmen leider noch nicht gelungen sei, die Milch auch so lange haltbar zu machen.
200 Milchbetriebe im Kreis

Landrat Markus Ramers, der schon einmal einen Vormittag auf dem Antoniushof „schweißtreibend“ mitgearbeitet hatte, lobte vor allem, dass man hier wirtschaftlich denke, auf Digitalisierung und auf nachhaltige Energieversorgung durch Wind, Sonne und Biogas setze und gleichzeitig noch eng mit der Dorfgemeinschaft verbunden sei.
Der Kreis Euskirchen besitze rund 60.000 Hektar an landwirtschaftlichen Flächen, berichtete Helmut Dahmen, davon werde die Hälfte in den Höhenlagen mit Grünland bewirtschaftet, die andere Hälfte sei dem Ackerbau vorbehalten. Da Ackerbau rund um Lorbach aufgrund der bergigen Lage nicht so gut funktioniere, habe man sich auf dem Antoniushof auf Viehhaltung spezialisiert. „Es gibt heute noch rund 200 Betriebe mit Milchkühen im Kreis Euskirchen. Landwirtschaftlich betrachtet ist dies die umsatzstärkste Branche“, so Dahmen. Durchschnittlich befänden sich in den einzelnen Betrieben rund 85 Kühe, Tendenz steigend.

Auf dem Antoniushof werden in Kooperation mit anderen Betrieben ca. 220 Hektar Acker- und Grünlandflächen bewirtschaftet und beispielsweise Weizen, Luzerne und Mais für die Silage produziert. Selber besitzt der Betrieb keine Außenwirtschaftsmaschinen, sondern nutzt die Maschinen von Kooperationspartnern oder beschäftigt Lohnunternehmen. „So können wir uns vollständig auf die Viehwirtschaft konzentrieren“, erklärte Dahmen und betonte, dass die Kooperationen gewissermaßen die Basis für das Wachstum des Betriebes gewesen seien.
Neben der Milchviehhaltung zieht man auf dem Antoniushof auch Jungkühe auf. Von den 15 Mitarbeitenden sind vier fest angestellt, zwei in Ausbildung und der Rest Aushilfen. „Viele fangen mit 14 Jahren bei uns an und bleiben uns bis zum Studium treu“, freute sich Dahmen. Die heute Festangestellten hätten alle als Kind auf dem Hof angefangen. Mit 30 Jahren sei Sohn Lukas gewissermaßen der „älteste“ Mitarbeiter auf dem Hof. Nachwuchsprobleme gebe es derzeit keine. Die gute Atmosphäre auf dem Hof habe sich längst herumgesprochen. So koche seine Frau mittags für alle Mitarbeitenden, was gut ankomme. „Sie ist eine Superköchin und damit hält sie die Mitarbeitenden bei der Stange“, scherzte Dahmen.
Weltweite Konkurrenz

Die Milch werde an die Molkereigenossenschaft Arla-Foods weitergereicht, bei der man Anteile für rund 300.000 Euro gezeichnet habe. Dahmen verriet, dass der Milchpreis keineswegs nur am deutschen Markt, sondern auf dem internationalen Weltmarkt gebildet wird. „Wenn in Neuseeland die Börsenpreise für Milch fallen, dann gehen sie anschließend auch bei uns runter“, so Dahmen.
Man stehe somit in Konkurrenz mit anderen Betrieben auf der Welt, leide aber an dem Problem, dass deutsche Politiker anders als in anderen Ländern den Milchbauern gern vorschrieben, wie Landwirtschaft auszusehen habe. Auflagen zum Tierwohl und zur Umwelt fielen in Deutschland meist deutlich höher aus und machten es aufgrund der dadurch anfallenden Investitionskosten oft schwer, international konkurrenzfähig zu bleiben. Die dadurch entstehenden Nachteile könnten quasi nur durch das Familienengagement wieder wettgemacht werden. „Übertrieben gesagt: Die Wirtschaftlichkeit unseres Betriebes kommt durch die Ausbeutung der Familie zustande“, so Dahmen. In anderen Betrieben gebe es einen Geschäftsführer, einen Produktionsleiter, einen Herdenmanager, eine alte Frau fürs Melken und den Azubi fürs Füttern der Kühe. „Bei uns ist es so, dass der Geschäftsführer, Produktionsleiter, Herdenmanager, Melker und Fütterer nur eine einzige Person ist“, sagte Dahmen.
Die Wachstumsraten bei der Milchproduktion lägen jedoch weiter bei ein bis zwei Prozent pro Jahr und die Produktionssteigerung zwischen null und einem Prozent, so dass Dahmen trotz der hohen Auflagen positiv in die Zukunft schaute. Work-Life-Balance bleibe aber ein Fremdwort. Doch arbeite man daran, durch mehr Automatisierung mehr Freizeit zu generieren.
Sonderapplaus
Kritik übte der Landwirt an Politik und Bürokratie, die ihn zuweilen bei seinen Vorhaben ausbremsten. Auch sei das Baurecht zu kompliziert und mit dem für ihn zuständigen Netzbetreiber eine Energiewende kaum zu machen. Dahmen resümierte: „Es ist einfach enorm wichtig, dass die Genehmigungsbehörden sauber arbeiten und verlässliche Genehmigungen erteilen, die nicht im Nachhinein wieder angefochten werden können.“ Die eigene Versorgung mit grüner Energie hat Dahmen schon früh verfolgt. So sorgen eine Kombination aus Solarstrom, Windenergie und eine Biogasanlage dafür, dass sogar mehr Energie erzeugt als verbraucht wird.
Einen Sonderapplaus gab es an diesem Vormittag für Iris Poth, die Leiterin der Stabsstelle Struktur- und Wirtschaftsförderung. Für sie war es das letzte Unternehmerfrühstück, da sie ab August in den Ruhestand wechseln wird. Iris Poth hat „viertelvoracht“ nicht nur 2013 mitbegründet, sondern auch wesentlich geprägt und enorm erfolgreich werden lassen, so dass die Veranstaltung am Mittwoch bereits zum 43. Mal stattfand. Und selbstverständlich hatte sie auch ihr letztes „viertelvoracht“ zuvor noch gemeinsam mit ihrer Kollegin Alina Kramer sowie Alexandra Bennau vom S-Gewerbekundencenter und Rainer Santema, Leiter S-Firmenkundencenter, detailliert geplant.
Eifeler Presse Agentur/epa