„Inklusionsprojekt von der ersten Minute an“

„projekt.bike inklusiv“ eröffnete auf dem Gelände der NE.W-Betriebsstätte in Zingsheim seine Pforten – Fahrradladen bietet Arbeitsplätze für vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fünf Teilzeitkräfte und fünf Menschen mit Handicap

NE.W-Geschäftsführer Georg Richerzhagen (v.l.) bedankte sich bei Mario Müller und Christian Merks für ihr Engagement beim Inklusionsprojekt „projekt.bike inklusiv“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
NE.W-Geschäftsführer Georg Richerzhagen (v.l.) bedankte sich bei Mario Müller und Christian Merks für ihr Engagement beim Inklusionsprojekt „projekt.bike inklusiv“. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Nettersheim-Zingsheim – Mancher, der gedacht hatte, am Samstagmorgen werde bei den Nordeifel.Werkstätten (NE.W) in Zingsheim ein neuer „Fahrradladen“ eröffnet, war mehr als erstaunt, als er vor Ort eintraf. Das „projekt.bike inklusiv“, das von Mario Müller und Christian Merks auf die Beine oder besser Räder gestellt wurde, entpuppte sich weit mehr als Vorzeige-Inklusionsbetrieb, der nicht nur eine große Anzahl hochmoderner Zweiräder zu bieten hat, sondern darüber hinaus auch eine professionelle Werkstatt, ein Ersatzteilelager, einen Gesprächsraum sowie jede Menge Platz vor der Ladentür, um gefahrlos das ein oder andere Rad mal auszuprobieren.

Zahlreiche Interessierte kamen am Samstag auf das Gelände des NE.W-Standorts in Zingsheim, um bei der Eröffnung des neuen Inklusionsbetrieb „projekt.bike inklusiv“ dabei zu sein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Zahlreiche Interessierte kamen am Samstag auf das Gelände des NE.W-Standorts in Zingsheim, um bei der Eröffnung des neuen Inklusionsbetrieb „projekt.bike inklusiv“ dabei zu sein. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Bereits vor zwei Jahren haben wir uns die ersten Gedanken zum Thema Fahrradprojekt gemacht“, berichtete NE.W-Geschäftsführer Georg Richerzhagen bei seiner Eröffnungsansprache. Der NE.W-Betriebsleiter in Zingsheim, Christian Merks, habe dann Kontakte zu Mario Müller geknüpft, der bis dato ein Fahrradgeschäft in Nettersheim führte und begeistert war von der Idee, sich zukünftig auf dem Gelände der NE.W anzusiedeln, wo seine Platzprobleme erst einmal der Vergangenheit angehörten. Darüber hinaus hatte sich Mario Müller gerade eine Auszeit von seiner Tätigkeit als Rettungssanitäter verordnet und große Lust, seinen Fahrradladen nicht nur größer aufzuziehen, sondern ihn auch mit Hilfe von Christian Merks zu einem Inklusionsbetrieb umzubauen.

Die Auswahl an Fahrrädern ist groß. Professionelle Beratung wird im neuen Fahrradladen daher großgeschrieben. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Die Auswahl an Fahrrädern ist groß. Professionelle Beratung wird im neuen Fahrradladen daher großgeschrieben. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Das projekt.bike inklusiv war somit ein Inklusionsprojekt von der ersten Minute an“, berichtete Richerzhagen, und nicht nur Mario Müller und Christian Merks, sondern eine ganze Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Beschäftigten seien mit hohem Engagement mit der Umsetzung dieser Idee involviert gewesen. „Besonders die Beschäftigten aus der Schreinerei haben sich viel Mühe gegeben, den Präsentationsbereich professionell herzurichten.“

Dem konnte sein geschäftsführender Kollege Christoph Werner nur zustimmen: „Wenn man sich erinnert, wie es hier vor sechs Wochen noch aussah, begreift man erst, wieviel Arbeit in kürzester Zeit geleistet wurde“, sagte Werner, der dem Anlass entsprechend mit dem Rennrad nach Zingsheim gekommen war, jedoch zugeben musste, dass er die „Bergetappe“ in die Eifel etwas unterschätzt hatte. Werner musste sich daher erst einmal frischmachen, bevor er die Gäste begrüßen konnte.

„projekt.bike inklusiv“ bietet vor allem einen Rundumservice, von der Reparatur bis zur Reinigung, und verfügt über eine geräumige Werkstatt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
„projekt.bike inklusiv“ bietet vor allem einen Rundumservice, von der Reparatur bis zur Reinigung, und verfügt über eine geräumige Werkstatt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Es ist wirklich allerhand, was aus dem ehemaligen Berufsbildungsbereich geworden ist“, begeisterte sich auch Carsten Klein vom NE.W-Werkstattrat in Zingsheim. „Wir freuen uns sehr, dass der Fahrradladen jetzt seinen Standort hier bei uns gefunden hat“, so Klein.

Auch der ehemalige NE.W-Geschäftsführer Wilhelm Stein war voll des Lobes für den neuen Standort und erinnerte sich daran, dass auch der „Bügelprofi“, die Wäscherei und Heißmangel der NE.W, vor vielen Jahren am NE.W-Werkstattstandort in Ülpenich gestartet sei, und er diesen Standort eigentlich nur ungern aufgegeben habe. „Denn so kamen die Menschen auch mal zu uns aufs Gelände, was ja sonst eher seltener der Fall ist“, so Stein.

Die NE.W-Verwaltungsratsvorsitzende Rita Witt (v.l.) traf vor Ort auch auf den ehemaligen NE.W-Geschäftsführer Wilhelm Stein und den ehemaligen Geschäftsführer der Lebenshilfe Euskirchen Bernd Milz. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Die NE.W-Verwaltungsratsvorsitzende Rita Witt (v.l.) traf vor Ort auch auf den ehemaligen NE.W-Geschäftsführer Wilhelm Stein und den ehemaligen Geschäftsführer der Lebenshilfe Euskirchen Bernd Milz. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Rita Witt, Vorsitzende des NE.W-Verwaltungsrates, hatte es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, am Samstagmorgen in Zingsheim vorbeizuschauen, und war nicht nur vom neuen Projekt angetan, sondern besonders von den Arbeitsplätzen, die hier geschaffen wurden. Denn neben den vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll es weitere fünf Teilzeitkräfte und fünf sozialversicherungspflichtige Zielgruppenarbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung geben.

NE.W-Geschäftsführer Christoph Werner war mit dem Rad nach Zingsheim gekommen und hatte die Anfahrt etwas unterschätzt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
NE.W-Geschäftsführer Christoph Werner war mit dem Rad nach Zingsheim gekommen und hatte die Anfahrt etwas unterschätzt. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Christian Merks war es bei der Umsetzung des Projekts vor allem wichtig, dass der neue Fahrradladen den Beschäftigten mit Behinderung viele Möglichkeiten für Arbeit, Schulungen und sogar Ausbildung bis zum IHK-Abschluss biete. „projekt.bike inklusiv“ möchte nämlich nicht nur Fahrräder verkaufen, sondern auch einen Rundum-Service bieten. Vor Ort werden daher nicht nur Räder repariert, sondern auch in der eigenen Waschstation optimal gereinigt. Sogar die Fahrradkette bekommt auf Wunsch eine Ultraschall-Reinigung. Es gibt also viele unterschiedliche Tätigkeiten, von denen viele auch für Menschen mit Beeinträchtigungen ausgeführt werden können.

Carsten Klein vom Wertstattrat Zingsheim zeigte sich begeistert über das Inklusionsprojekt am neuen Standort. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Carsten Klein vom Wertstattrat Zingsheim zeigte sich begeistert über das Inklusionsprojekt am neuen Standort. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Es war schön zu sehen, dass die Mitarbeiter, die Mario Müller mit zu uns an den NE.W-Standort gebracht hat, direkt Bekanntschaft mit unseren Beschäftigten geschlossen haben“, so Georg Richerzhagen, der betonte, dass dieses besondere Inklusionsprojekt ohne die finanzielle Unterstützung der „Aktion Mensch“ nicht umzusetzen gewesen wäre und der sich daher herzlich bei den Förderern bedankte.

Die Besucherinnen und Besucher konnten sich am Samstag ausführlich über „projekt.bike inklusiv“ informieren, sich darüber hinaus die vielen modernen Fahrräder mit und ohne Elektromotor anschauen und es sich bei freien Getränken und Speisen, die von den Beschäftigten der NE.W-Kantinen vorbereitet worden waren, gut gehen lassen.

Eifeler Presse Agentur/epa

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