„Wir wollen Lust auf mehr Inklusion machen“

Erste „Inklusive Sportwoche“ im Kreis Euskirchen sucht noch Mitstreiter – Bogenschützen, Boxer, Boulderer und Fußballer sind bereits mit dabei – Markus Ramers: „Wir wollen langfristig inklusive sportliche Strukturen etablieren“

Der Kreis Euskirchen, seine Kooperationspartner und die ersten Vereinsvertreter stellten jetzt im Kreishaus die Idee der „Inklusiven Sportwoche“ vor und forderten weitere Interessenten auf, bei der Aktion mitzumachen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Kreis Euskirchen, seine Kooperationspartner und die ersten Vereinsvertreter stellten jetzt im Kreishaus die Idee der „Inklusiven Sportwoche“ vor und forderten weitere Interessenten auf, bei der Aktion mitzumachen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Kreis Euskirchen – Die Vorbereitungen für die erste „Inklusive Sportwoche“ vom 12. bis zum 17. Juni 2023 laufen auf Hochtouren. Zu dem gemeinsamen Projekt des Kreises Euskirchen mit Kreissportbund (KSB) und Kommunales Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ), den Nordeifelwerkstätten (NEW), DRK, Lebenshilfe und Stadt Euskirchen haben sich bereits die ersten Vereine eingefunden, die die Sportwoche aktiv umsetzen wollen. Landrat Markus Ramers, der auch die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hat, freute sich jetzt im Kreishaus über die „tolle Initiative“ und betonte, wie wichtig es sei, mit einer inklusiven Sportveranstaltung ein Zeichen für mehr Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu setzen. „Sport verbindet nicht nur, man kann mit Sport auch viel bewegen“, so der Landrat, der sich davon überzeugt zeigte, dass die „Inklusive Sportwoche“ eine rund Sache wird.

Markus Strauch, Geschäftsführer des KSB Euskirchen, betonte, „Sportvereine bekommen mit dieser Aktion auch die Chance, neue Zielgruppen zu erschließen und bestehende Sportangebote zu öffnen, zu entwickeln und zu verstetigen.“

Mit den NEW und der Lebenshilfe sind zwei große kreisweit agierende Institutionen mit im Boot, die sich auch im Alltag um die Belange von Menschen mit Behinderung kümmern. „Wir wollen den Menschen mit der »Inklusiven Sportwoche« mit niederschwelligen Angeboten Lust auf mehr Inklusion machen und sie dazu ermutigen, mal etwas Neues auszuprobieren“, so NEW-Geschäftsführer Georg Richerzhagen. Die Veranstaltungen würden kreisweit angeboten. Das gemeinsame Abschlussfest fände im Erftstadion statt, wo alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitere sportliche Aktionen erwarteten. Die NEW beteiligten sich dabei als starker Partner und könnten nicht nur unter den  Beschäftigen mit Behinderung für die Veranstaltung werben, sondern auch in Sachen Busdienst Hilfe anbieten und während des Sportfests mit ihrem erprobten Küchenteam das Catering unterstützen.

Die Sportwoche soll bei möglichst vielen Einrichtungen stattfinden. Dafür werden noch weitere Kooperationspartner wie Schulen, Kindergärten, Sportvereine oder auch Einzelpersonen gesucht, die sich mit Aktionen beteiligen oder einfach nur helfen und unterstützen möchten. Berührungsängste braucht niemand zu haben, denn keiner, der seine Türen zum ersten Mal für ein Inklusionsprojekt öffnet, wird allein gelassen. Dafür sorgt unter anderem die Lebenshilfe.

„Wir sehen uns hier als Bindeglied zwischen den Veranstaltern und den Aktionsanbietern“, berichtete Christian Meyer, Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Euskirchen. „Wir können individuelle Assistenz und Unterstützungsmöglichkeiten anbieten, damit sich niemand überfordert fühlen muss“, versprach er. Gerade auch in den Vereinen könne man so mit dazu beitragen, dass neue Mitglieder gewonnen würden.

Die ersten Vereine haben sich bereits gefunden, die auf jeden Fall bei der Sportwoche mit dabei sein wollen. Da sind beispielsweise die Euskirchener Bogenschützen, die mit Inklusion schon viel Erfahrung haben. „Wir sind gewissermaßen die Vorzeige-Inkludierer“, sagte deren Vorsitzender Arno Schmitz nicht ohne Stolz. Auf dem rollstuhlgerechten Sportgelände in den Erftauen werde schon jetzt Inklusion praktiziert. „Wir haben in unserem Verein sogar eine blinde Bogenschützin, das ist alles kein Problem“, so Schmitz. Rollstuhlfahrer, Menschen mit Down-Syndrom oder Gehörlose könnten mit entsprechender Assistenz selbstverständlich beim Bogenschießen mitmachen.

Das sieht auch Frank Hausmann, Vorsitzender vom 150 Mitglieder starken Boxsportverein Euskirchen so: „Wir haben bereits mit der Lebenshilfe Bürvenich zusammengearbeitet, und es war für alle, die mitgemacht haben, ein Riesenerlebnis“, berichtete er. Allein schon mit „therapeutischem Boxen“, also Boxen ohne Körperkontakt, könne man das Selbstwertgefühl von Menschen mit Behinderung massiv stärken.

Der Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Eifel, Max Theißen, gab zu, persönlich noch nicht sehr viel Erfahrung mit Inklusionsangeboten zu haben. Aber im neuen Vereinsheim auf Vogelsang verfüge man jetzt auch über eine Boulderwand, wo man Klettern in Absprunghöhe praktiziere. Hier könne er sich gut vorstellen, dieses Angebot mit einer passenden Betreuung auch für Menschen mit Behinderung anzubieten, zumal man ohnehin ein enges Verhältnis zu den NEW pflege, da der Dienstleister für Menschen mit Behinderung einen Großteil der Inneneinrichtung für das neue Vereinsheim herstelle. Aber auch die Klettergruppe in Bad Münstereifel könne sicherlich ein Inklusionsprogramm auf die Beine stellen.

Erdmann Bierdel, Geschäftsbereichsleiter Jugend, Bildung und Integration des Kreises Euskirchen, betonte, „ein inklusives Angebot bedeutet nicht, dass dies eine Veranstaltung für Menschen mit Behinderung ist, sondern es handelt sich dabei ebenso um eine Veranstaltung für Menschen ohne Behinderung.“

Heike Iven, DRK-Leiterin Familienbildung, wies auf den großen Pool hin, der dem Roten Kreuz im Kreis Euskirchen zur Verfügung steht: „Wir haben 34 eigene Kitas und kooperieren mit 30 Familienzentren sowie Offenen Ganztagsschulen“, berichtete sie. Dort würden bestimmt in den nächsten Monaten noch zahlreiche Ideen für die Sportwoche geboren.

Die inklusiven Angebote der Vereine sollen zu den ganz normalen Trainingszeiten stattfinden. Wer noch mitmachen möchte, der kann sich beim KreisSportBund melden. „Darüber hinaus steht auch eine vom KoBIZ betreute Seite auf der Homepage des Kreises Euskirchen zur Verfügung, die über alle aktuellen Entwicklungen berichtet und weitere Infos und Kontaktdaten bereithält“, teilte Nicole Tobay vom KoBIZ mit.

Ziel des Kreises Euskirchen ist es, so Landrat Markus Ramers, langfristig inklusive sportliche Strukturen zu etablieren. Denn Sport- und Bewegungsangebote könnten selbstbestimmte und aktive Teilhabe ermöglichen und fördern. „Spaß, Fairness und Teamgeist entstehen dabei fast nebenbei“, so Ramers abschließend.

www.kreis-euskirchen.de/inklusive-sportwoche

Eifeler Presse Agentur/epa

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