KSK bewirkt mit Kleingeld erneut Großes

Halbjahres-Ausschüttung von GiroCents erbrachte rund12.000 Euro für ehrenamtliche Institutionen – KSK-Vorstandsvorsitzender Udo Becker: „Ehrenamtler stiften den sozialen Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält“

Udo Becker (2.v.r.), Iris Esselborn (r.) und Sebastian Thur (l.) konnten erneut insgesamt rund 12.000 Euro an die GiroCents-Gewinner ausschütten sowie sechs neue Bewerber für die nächste Runde vorstellen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Udo Becker (2.v.r.), Iris Esselborn (r.) und Sebastian Thur (l.) konnten erneut insgesamt rund 12.000 Euro an die GiroCents-Gewinner ausschütten sowie sechs neue Bewerber für die nächste Runde vorstellen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Euskirchen-Großbüllesheim – Zwei Mal im Jahr steht irgendwo im Kreis Euskirchen ein großes rotes Schwein mit der Aufschrift „Gemeinsam Großes bewegen!“. Es weist die geladenen Gäste auf den Ort der halbjährlichen Ausschüttung des Kundenspendenprogramms GiroCents der Kreissparkasse Euskirchen (KSK) hin. Am Mittwoch fand man das Schwein vor dem Dorfgemeinschaftshaus Großbüllesheim. Die KG Nubbel 2011 hatte sich dazu bereit erklärt, die Veranstaltung auszurichten. Deren Präsident Jürgen Deters stellte kurz die Historie des Dorfgemeinschaftshauses vor. Vor zwei Jahren habe die Dorfgemeinschaft das Gebäude als Rohbau übernommen und mit Muskelhypothek, Spenden und Sponsoren, darunter auch die KSK, zu einem offenen Dorfgemeinschaftshaus umgebaut, das zu einem Zentrum der Kommunikation für Jung und Alt geworden sei und sich darüber hinaus aufgrund seiner modularen Bauweise bedarfsgerecht vermieten lasse.

Sodann aber hatte der KSK-Vorstandsvorsitzende Udo Becker das Wort, der mit seinem Team, bestehend aus Sebastian Thur (Vorstandssekretariat), Iris Esselborn (Vertriebsmanagement) und Alexander Rheindorf, sechs rote und gut gefüllte Sparschweine mitgebracht hatte. Becker betonte, dass man auf die Ergebnisse des Kundenspendenprogramms keinen Einfluss habe, aber es sich nicht nehmen lasse, die Beträge stets ein wenig aufzurunden, da man bei der KSK keine krummen Summen liebe.

Mittlerweile 4.000 Teilnehmende

Präsident Jürgen Deters von der KG Nubbel 2011 (links) möchte seine Spende für die kleinen Tänzerinnen des Vereins nutzen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Präsident Jürgen Deters von der KG Nubbel 2011 (links), hier mit Udo Becker, möchte seine Spende für die kleinen Tänzerinnen des Vereins nutzen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

„Sämtliche Spenden unserer Kunden werden 1:1 an die teilnehmenden Vereine, Institutionen etc. weitergeleitet, es wir nichts abgezogen“, betonte Becker. Der Verwaltungsaufwand gehe auf Kosten der KSK. „So kommen jedes Halbjahr rund 12.000 Euro zusammen, und unsere Kunden entscheiden nach ihren eigenen Leidenschaften, wohin das Geld fließen soll“, so Becker.

Der Vorstandvorsitzende erklärte, was es mit dem Kundenspendenprogramm auf sich hat: „Bei allen teilnehmenden Kundinnen und Kunden, mittlerweile etwa 4.000, werden einmal im Monat die Nachkommastellen des Kontostands als Spende abgebucht – also zwischen einem und 99 Cents.“ Im Internet werden die aktuellen Projekte der Vereine vorgestellt. Die teilnehmenden Kunden, die ihre E-Mail-Adresse hinterlegt haben, können dann einmal pro Monat per Mausklick abstimmen und so die prozentuale Verteilung der ausgeschütteten Gesamtsumme mitbestimmen.

Christian Pfaff, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ Bürvenich, benötigt das Geld für einen Geräteschuppen, der in ein Sommerhaus umgewandelt werden soll. Bild; Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Christian Pfaff, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ Bürvenich, benötigt das Geld für einen Geräteschuppen, der in ein Sommerhaus umgewandelt werden soll. Bild; Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Das Spektrum, so Becker, sei auch in der vergangenen Runde wieder einmal sehr breit gefächert gewesen und reiche vom Brauchtum bis zu den Helfern in der Not, von den Kindern bis zu den Senioren und spiegle die soziale Vielfältigkeit im Kreis Euskirchen wider. „Unseren Ehrenamtlern gebührt dabei ein großer Dank, sie stiften den sozialen Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält“, betonte Becker. Und dabei leisteten sie ihre Arbeit nicht aus irgendeiner Verpflichtung heraus, sondern aus der Freude, anderen zu helfen.

Das erste Sparschwein des Nachmittags ging an den Gastgeber, die KG Nubbel 2011. Jürgen Deters berichtete, dass man das Geld für die zwölf „Nübbelchen“, also der jüngsten Tanzgarde im Alter von zweieinhalb bis acht Jahren benötige. Die sehnten sich derzeit nach ein paar neuen Petticoats für ihre Auftritte.

Inklusives Sommerhaus statt Geräteschuppen

Kareen Rüter von der THW-Helfervereinigung Schleiden steckt ihre Spende in die Anschaffung von outdoorfähigen Tablets. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Kareen Rüter von der THW-Helfervereinigung Schleiden steckt ihre Spende in die Anschaffung von outdoorfähigen Tablets. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Christian Pfaff, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ Bürvenich, die sich ganz der Assistenz, Bildung und Begleitung von Menschen mit Behinderung verschrieben hat, wollte den Inhalt seines Schweinchens für das Projekt „Sommerhaus“ beisteuern. Dabei handelt es sich um einen großen Geräteschuppen auf dem 50.000 Quadratmeter großen Gelände des Förderzentrums, der erst noch zu einem Sommerhaus umgebaut werden soll. „Das neue Sommerhaus soll aber nicht nur den 24 Kindern und Jugendlichen sowie den Erwachsenen unserer Einrichtung als Treffpunkt dienen, sondern auch den Menschen aus dem Dorf“, so Pfaff. Es handele sich daher um ein echtes Inklusionsprojekt.

Kareen Rüter von der THW-Helfervereinigung Schleiden benötigte ihre Spende für die Anschaffung von outdoorfähigen Tablets. Für die Ausbildung der THW-Jugend und der THW-Helfer sowie bei den oft im Freien stattfindenden Einsätzen seien diese Geräte eine große Hilfe, da man die Lehrmaterialien immer sehr rasch und unproblematisch auf den neusten Stand bringen könne.

Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit unterstützen

Udo Kaley und Michael Kirchhof von der Weilerswister Tafel wünschen sich eine Carport-Überdachung, damit die Kunden nicht mehr im Regen stehen müssen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Udo Kaley und Michael Kirchhof von der Weilerswister Tafel wünschen sich eine Carport-Überdachung, damit die Kunden nicht mehr im Regen stehen müssen. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Besonders freute sich Udo Becker, Udo Kaley und Michael Kirchhof von der Weilerswister Tafel begrüßen zu können, da er kürzlich dort selbst einen Tag lang mitgearbeitet hatte. „Die Arbeit dort macht ganz schön demütig“, sagte Becker, er habe sehr viel gesehen und erlebt und von zahlreichen Schicksalen gehört. „Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie anstrengend es ist, die Waren von den Supermärkten einzusammeln und anschließend noch eine Ausgabe für die hilfsbedürftigen Menschen zu managen, deren Zahlen sich in kurzer Zeit verdoppelt haben.“ Umso wichtiger sei es, auch die Ehrenamtlichen der Tafel bei ihrer Arbeit zu unterstützen, die derzeit in Containern logierten und sich nach einer Carport-Überdachung sehnten, damit die Lebensmittelausgabe nicht mehr unter freiem Himmel stattfinden müsse.

Ein Sparschwein nahm auch der Pferdeschutzhof „Klepperstall“ entgegen. Deutschlandweit gibt es nur zwei dieser Einrichtungen. Vorsitzende Nina Aschoff berichtete, dass sie zurzeit 80 Pferde beherberge. Das seien mehr denn je. „Ein Pferd ist heute für viele ein Luxusgegenstand, der als Erstes wieder abgeschafft wird, wenn es finanziell eng wird“, so Aschoff. Aufgrund der stark gestiegenen Futter- und Tierarztkosten sei der Pferde-Gnadenhof auf Unterstützung angewiesen.

Der Pferdeschutzhof „Klepperstall“ hat mit gestiegenen Futterpreisen Probleme. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Der Pferdeschutzhof „Klepperstall“ hat mit gestiegenen Futterpreisen Probleme. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Schließlich nahmen auch noch Michelle Mertens und Markus Helmsen vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Euskirchen ein Schweinchen entgegen. Die Einrichtung begleitet gut 90 Kindertagespflegestellen, die rund 400 Betreuungsplätze zur Verfügung stellen. Für die betreuten Kinder soll spezielles Lernmaterial angeschafft werden, das ein vorurteilsfreies Spielen ermöglicht und auch andere Familienkonstellationen thematisiert als die in Lernmaterialien häufig vorgestellten.

Weitere Unterstützung möglich

Udo Becker ermutigte alle Spendenempfänger, auch Anträge bei der Bürgerstiftung und der Kultur- und Sportstiftung der KSK zu stellen. Darüber hinaus könne die KSK auch mit Geldern aus dem PS-Zweckertrag unterstützen. „Nur, weil Sie heute eine Spende erhalten haben, heißt das nicht, dass sie aus unseren anderen Töpfen nichts mehr bekommen“, so Becker.

Anschließend wurden die sechs neuen GiroCents-Teilnehmer vorgestellt, die sich für die laufende Runde bis Mitte des Jahres beworben haben. Die AWO-Kita Glehn „Purzelbaum“, die 50 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut, möchte nach langer Corona-Pause ihre Zertifizierung zur Nationalpark-Kita wieder auffrischen. Dabei sollen viele Ausflüge mit den Kindern unternommen werden, um ihnen die Natur und das Leben im Nationalpark näher zu bringen.

Michelle Mertens und Markus Helmsen vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Euskirchen benötigen die Spende für vorurteilsfreies Lernmaterial. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa
Michelle Mertens und Markus Helmsen vom Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Euskirchen benötigen die Spende für vorurteilsfreies Lernmaterial. Bild: Michael Thalken/Eifeler Presse Agentur/epa

Immer mehr junge Menschen schließen die Schule ab und fühlen sich orientierungslos: Was weiter machen? Arbeit? Lehre? Studium? Hier setzt der Verein „Bewegung als Kunst und Wissenschaft“ mit einem fünfmonatigen Vollzeit-Intensivseminar für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren an, um eine berufliche und lebensnahe Orientierung und Persönlichkeitsentwicklung zu bieten. Da die Gesamtkosten des Projekts 190.000 Euro betragen, ist der Verein über jeden Zuschuss dankbar.

Der Verein „Schrittchen für Schrittchen“ möchte traumatisierten Kindern, die durch den Tod eines Elternteils oder Geschwisterkinds betroffen sind, einen Herzenswunsch erfüllen und ihnen dadurch das Gefühl geben, nicht alleine zu sein.

Für die Inklusive Kita St. Johannes Baptist, Mechernich, ist das Thema Bleisanierung immer noch groß. Die bleihaltige Erde ist zwar abgetragen, doch jetzt geht es an den Wiederaufbau des Kita-Geländes. Geplant ist ein Rutschenhügel, eine Bobbycarstrecke, ein Sand- und Wasserspielbereich mit Spielhütte, naturnahe Bepflanzung als Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten für die Kinder und ganz wichtig für alle: eine Schaukelanlage.

Neue Bewerber bereits freigeschaltet

Die Tierhilfe Nordeifel kümmert sich besonders um Wildtiere. Sie benötigt derzeit dringend Geld, um Enten, verwaiste Entenküken und auch Hähne besser unterzubringen und zu versorgen. Besonders das Futter koste viel Geld, da es dafür kein Budget gebe und der Verein es komplett selber zahlen müsse.

Und schließlich möchte der Förderverein Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege Nettersheim noch das Familienzentrum Nettersheim dabei unterstützen, für Senioren gesellige Nachmittage gegen die Einsamkeit auszurichten. Dabei soll es auch um Themen wie Gesundheitstanz, Gedächtnistraining, gemeinsames Singen, Märchen für Erwachsene und gesunde Ernährung im Alter gehen.

Die sechs neuen GiroCents-Bewerber wurden bereits freigeschaltet, und die GiroCents-Teilnehmer können daher wieder bestimmen, wohin ihre Nachkommastellen auf dem Konto am Ende des Monats fließen sollen.

Weitere Informationen über die Projekte und Bewerbungsmöglichkeiten für ehrenamtlich tätige Institutionen gibt es im Internet: www.ksk-eu.de/girocents.

Eifeler Presse Agentur/epa

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